Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_3215 Aachener Straße 561 · Braunsfeld

Wohn- u. Geschäftshaus

Typ
Gebäude
Baujahr
2. Hälfte 19. Jahrhundert
Denkmal seit
1985
Stadtteil
Braunsfeld
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Das Haus Aachener Straße 561 (laut Katasterplan und Adreßbuch Aachener Straße 559 - 561), das durch die im straßenseitigen Giebel befindliche Madonna bzw. dann auch noch durch eine Beschriftung als Haus "Marienbild" bekannt geworden ist und für viele Kölner - auch außerhalb der Grenzen von Braunsfeld - einen Begriff darstellt, ist ein langgestreckter 2geschossiger, weiß geschlämmter Backsteinbau mit insgesamt 9 Fensterachsen. Über den fünf linken Achsen des Hauses erhebt sich ein Dreiecksgiebel mit zwei Fenstern und der in der Mitte dominierenden farbig gefaßten Hausmadonna.

Errichtet wurde dieses Gebäude in den Jahren 1882/83. Erschlossen wurde das Baudatum aus dem Katasterplan. Mit diesem Datum stimmt auch die stilistische Einordnung der Architektur des Hauses, soweit sie nicht später verändert wurde, überein. Dem Kataster ist auch zu entnehmen, daß an gleicher Stelle spätestens im Jahr 1866 ein kleiner Bau gestanden hat, der dann 1882 ganz oder in weiten Teilen abgerissen wurde. Die Literatur (Josef Thur: 50 Jahre Geschäftsstelle Braunsfeld 1928 - 1978. Köln 1978, Herausgeber Stadtsparkasse Köln) weiß, daß hier im Haus Marienbild von 1880 bis 1882 die Dorfschule von Braunsfeld untergebracht war. Diese Fakten erschließen sich auch aus der für die frühen Kölner Ortgeschichten immer wieder zu zitierenden, da wichtigen und genauen, Publikation von Robert Wilhelm Rosellen (Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln, Dekanat Brühl. Köln 1887, hier S. 437). Z. Z. noch ungeklärt ist die Herkunft des Namens Marienbild bzw. die Vorgeschichte des heute hier stehenden Hauses. Möglich ist, daß die Madonna erst mit oder nach Bau des jetzigen Hauses hier angebracht wurde. Wahrscheinlich befand sie sich jedoch schon am Vorgängerbau, den der oben zitierte Josef Thur in einer anderen Schrift (Sparkasse der Stadt Köln, Zweigstelle Braunsfeld. Köln um 1968) als Madonnenherberge identifiziert. In den beiden Schriften von Josef Thur als auch in der 2bändigen Publikation "Zwei Jahrtausende Kölner Wirtschaft. Köln 1975" wird, so der dortige Beitrag von Klara van Eyll, der Leiterin der RheinischWestfälischen Wirtschaftsarchives, das Haus Marienbild mit einer Postkutschenhaltestelle in Verbindung gebracht, in der die Reit- und Fahrpost Richtung Aachen abgefertigt wurde. Die früheste Erwähnung des Hauses datiert, so die Literatur, vom Jahre 1721 (teilweise auch 1722), was nicht ausschließt, daß der Vorgängerbau des heutigen Hauses Marienbild, dessen Tradition bis in die Gegenwart weitergeführt wurde, noch älteren Baudatums war. Diesem Traditionsdenken schließt sich auch der Artikel vom Kölner Stadt-Anzeiger vom 11.01.85 an, der auf einem Gespräch mit dem Gastronomen Gustl Richter basiert. Traditionsbewußt wurde die Ruine des Hauses mit Bauantrag von 1945 (Erläuterungsbericht dazu vom 24.10.45) schon direkt nach dem Krieg wiederhergestellt. Bei diesem Wiederaufbau im historischen Stil, der wesentlich früher in Angriff genommen wurde als bei den meisten Altstadtkirchen und anderen historischen Bauten des alten Kölns, wurden unverkennbar auch neue Gestaltungselemente hineingebracht, die in Fachkreisen heute allgemein als Elemente der schöpferischen Denkmalpflege bezeichnet würden. Hierzu zählt bei dem Haus Marienbild v. a. das Dach in seiner schlichten Form, ohne weite Dachüberstände und mit schlichten, aber künstlerisch durchgestalteten Gaupen. Im Jahre 1957, ein Jahr nach Freigabe des Hauses durch das belgische Militär, wurde das Haus Marienbild noch einmal umgestaltet und zwar noch stärker im Sinne eines historischen Gebäudes mit langer Tradition. So wurden sämtliche Fenster der Straßenfront und auch andere des Hauses mit einem Bauchbutzenglas verbleit, als einer Fensterart, wie sie bei dem Wiederaufbau des Hauses "Zur Brezel" von 1580 (Alter Markt 20 - 22) Anwendung fand. Verändert wurde bei diesem Umbau auch der Eingangsbereich. Hier wurden das Portal um eine Achse erweitert und ferner der darüber befindliche Balkon verbreitert und ein dortiges Fenster zu einer Fenstertür vergrößert. Bei diesem gesamten Umbau wurde Bedacht auf Wahrung aller Details gelegt: Die Fenster und auch das Portal erhielten profilierte Laibungen und die neue Fenstertür zudem auch noch eine Rocaille als mittleren oberen Abschluß.

Innerhalb des langgezogenen am Hahnentor in der Kölner Neustadt beginnenden Straßenzuges dee Aachener Straße, einer der wenigen nach dem Krieg einheitlich und geschlossen wiederaufgebauten Kölner Ausfallstraßen, ragt in Braunsfeld ein Haus, das Haus Marienbild, hervor, das in seinem Erscheinungsbild mit Sprossenfenstern, getünchter Backsteinfassade, Giebel und Hausmadonna sowie die niedrige Geschossigkeit von nur zwei Geschossen unwillkürlich an die Entstehungsgeschichte des Vorortes Braunsfeld und überhaupt an den Beginn einer Bebauung entlang dieser Ausfallstraße außerhalb des mittelalterlichen Mauergürtels Kölns erinnert. In den wenigen bisher geschriebenen Ortsgeschichten von Braunsfeld, den beiden Publikationen von Josef Thur und der Festschrift von St. Joseph (Erich Brühl, Johannes Monnen und Max-Leo Schwering: St. Joseph in Köln-Braunsfeld 1915 - 1975, die Geschichte einer Pfarrei. Köln 1975) nimmt dieses Haus von den historischen (erhaltenen) Gebäuden auch die wichtigste Stellung ein. Vergleichbar ist die historische, städtebauliche und volkskundliche Bedeutung dieses Hauses mit dem Gasthof "Zur alten Zollgrenze" von 1698 in Köln-Weidenpesch (Neusser Straße 547 - 549). Die Begründungen und Erläuterungen zum Haus Marienbild ergeben sich wesentlich aus den vorher erläuterten historischen Fakten. Die städtebauliche Bedeutung dagegen resultiert aus der besonderen Gestaltung des Bauwerks sowie seiner Einzigartigkeit innerhalb des gesamten Straßenzugs und innerhalb der übrigen Bebauung von Braunsfeld. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Denkmalwürdigkeit des Hauses ist in der Geschichte des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben. In diesem Punkt sind wissenschaftliche und bauhistorische Interessen angesprochen. Die Geschichte des Kölner Wiederaufbaus befindet sich z. Z. in wissenschaftlicher Bearbeitung beim Stadtkonservator. Ferner erarbeitet der Stadtkonservator z. Z. eine Denkmälerliste der Bauten des Wiederaufbaus und der 50er Jahre. Bei dieser wissenschaftlichen Bearbeitung dieses Themenkreises hat sich herausgestellt, daß bei dem Haus Marienbild in für Kölner Vororte einmaliger Weise ein Wiederaufbau vorgenommen wurde. Im Bewußtsein eines historisch bedeutenden Bauwerks wurde dieses Haus nach dem Krieg mit der oben erläuterten Handschrift der Wiederaufbaugeneration historisch getreu wiederaufgebaut und ergänzt, eine Wiederaufbauhaltung, die damals in der Innenstadt nur bei ganz wenigen wichtigen Sakral- und Profanbauten galt - die Alternative war meist die Niederlegung der Ruine und Neuerstellung mit größerer Bodenwertausnutzung. Die Ergänzungen bzw. Umformungen des Hauses Marienbild nach dem Zweiten Weltkrieg und die Tatsache des Wiederaufbaus in dieser Art sind ebenso denkmalwert wie die vorher erläuterten historischen Fakten bzw. der historische Bau.

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_3215
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Wohn- u. Geschäftshaus
Adresse
Aachener Straße 561 , 50933 Köln
Stadtteil
Braunsfeld
Baujahr
2. Hälfte 19. Jahrhundert
Eigentum
privates Eigentum
Denkmal seit
16.09.1985
Koordinaten
50.93698° N, 6.89549° E