Legienstr.
Benannt nach Carl Legien (1861–1920), deutschem Gewerkschafter und einer der Gründerväter der freien Gewerkschaften in Deutschland. Legien wurde in Marienburg/Westpreußen geboren, wuchs nach dem Tod der Eltern in einem Waisenhaus auf und absolvierte eine Drechsler-Lehre. 1885 trat er der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands bei und stieg innerhalb der Gewerkschaftsbewegung rasch auf: ab 1890 war er Vorsitzender der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands, ab 1919 erster Vorsitzender des daraus hervorgegangenen Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) — der direkte Vorläufer des heutigen DGB. Legiens historische Großtat war das Stinnes-Legien-Abkommen vom 15. November 1918, mit dem die deutschen Arbeitgeber erstmals die Gewerkschaften als legitime Verhandlungspartner anerkannten und der Achtstundentag sowie Betriebsräte (in Betrieben über 50 Mitarbeitern) eingeführt wurden — Eckpfeiler der Sozialordnung der Weimarer Republik. Beim Kapp-Putsch 1920 koordinierte Legien den größten Generalstreik der deutschen Geschichte und rettete damit die parlamentarische Demokratie. Er starb wenige Monate später, am 26. Dezember 1920, in Berlin.
Quellen: