Wohnhaus
Das Haus Lindenallee 29 ist Teil des Doppelhauses Lindenallee 29 - 31. Die zweigeschossige achsensymmetrische Doppelvilla ist laut Grevens Adressbuch im Jahre 1910 für den Bauunternehmer August Lindemann errichtet worden. Die Fassade wird von zwei polygonal gebrochenen Eckrisaliten eingefaßt, die mit einem Zusatzgeschoß bis in das Mansarddach aufsteigen. Ursprünglich waren sie noch zusätzlich mit Zwiebeltürmen bekrönt. Zwischen den Risaliten spannt sich eine flächig gehaltene Fassade mit sechs Achsen, wodurch im Gesamtumriß der Eindruck einer kubisch gedrungenen Burgarchitektur hervorgerufen wird. Dem wirkt die außerordentlich vielfältig bildhauerisch bearbeitete Werksteinfassade, vor allem in den Risalitbereichen, entgegen. Im Erdgeschoß werden die Polygonakanten im Fensterbereich durch mehrfach gebrochene Dreiviertelsäulen gebildet. Ein ornamentales Medaillon mit applizierter Figur über dem Mittelfenster der Risalite betont die darunterliegende Säulenarchitektur. Zwischen den Risaliten schneiden zwei Gruppen von je drei schmalen Fenstern mit schwacher Sturzkrümmung scharfkantig in die flächige Werksteinfassade ein. Ein feines mit Pyramidenfries geschmücktes Gesims trennt, sich um die Risalite verkröpfend, diesen Erdgeschoßbereich vom Obergeschoß. Die Eckrisalite sind jetzt über ihre gesamte Fläche mit ornamentalen Reliefs überzogen, die über den Fensterstürzen noch zusätzlich mit Puttenmedaillons geschmückt sind. Ein leicht vorspringendes profiliertes Kranzgesims mit darunterverlaufendem klassizierenden Rhombenfries schließt den Bau zum Dach hin ab. Nur die Eckrisalite setzen sich, mit leichtem Versprung zum Kranzgesims, söllerartig mit einem Zusatzgeschoß, fort. Drei große rundbogige Fenster belichten den Dacherker. Der Mittelteil des Obergeschosses ist verputzt. Analog zum Erdgeschoß gliedern auch hier zwei mal drei Fenster mit feinen Stuckrahmungen die Fassadenfläche. Die Eingänge liegen zu beiden Seiten der Doppelvilla. Diese und der rückwärtige Bereich des Hauses sind verändert worden. Die ursprüngliche Sprossenteilung der Fenster ist nur noch an wenigen Stellen ablesbar. Auch ist das Dach der Mansarde mit grauen Dachpfannen statt der ursprünglichen Schiefereindeckung versehen worden.
Die Doppelvilla Lindenallee 29 - 31 ist in ihrer Gesamtkonzeption und in der Detailausführung ein Gebäude von großer künstlerischer Qualität und Bedeutung. Im außerordentlich souveränem Umgang mit verschiedenen Materialien, sowie der Integration ornamentaler und figürlicher Werksteinreliefs in die Gesamtarchitektur hat der Architekt ein Bauwerk geschaffen, daß dem repräsentativen Stilempfinden des deutschen Bürgertums um 1910 entsprach. Nicht mehr die unübersichtliche Dekorfülle der Gründerzeitarchitektur, das falsche Pathos, entsprach diesem Empfinden, sondern der Stolz über das erreichte verlangte nach einer Architektur, die unter Zuhilfenahme ehrlicher Materialien, wie Werkstein und Putz, gleichsam aus sich selbst sprach. Die große Sorgfalt in der Durchbildung des Hauses lassen auf einen renommierten Architekten schließen. Möglicherweise stammt der Entwurf von dem bekannten Kölner Architekten Carl Moritz, dem Erbauer des alten Opernhauses in Köln. Charakteristisch für seine Bauten ist die Kombination der Materialien Putz und Werkstein, wobei der letztere fast immer bildhauerisch bearbeitet ist. Viele Villen in Marienburg sind von Moritz errichtet worden, darunter sein (heute nicht mehr existierendes) eigenes Haus in der Parkstraße. Die Doppelvilla ist wichtiges Zeugnis der Architekturentwicklung nach der Überwindung des Historismus, an deren weitergehenden Erforschung ein großes Interesse besteht.
Marienburg zählt durch die Vielzahl seiner im Verhältnis zur übrigen Stadt im Krieg weitgehend verschonten und im originalen Zustand erhaltenen Bauten zu einer der geschlossensten Villen-Kolonien in Deutschland, womit sie aus historischer Sicht zu einem der besterhaltenen Gebiete der Stadt Köln gehört. Seit der Gründung dieses Villenvorortes im späten 19. Jahrhundert haben hier in Marienburg fast ausschließlich bedeutende Kölner und auch andere deutsche Architekten Villen und Landhäuser errichtet, wodurch dieser Vorort gleichzeitig eines der architekturhistorisch interessantesten Wohngebiete in Köln und darüber hinaus auch in Deutschland ist. Das Doppelhaus Lindenallee 29 - 31 ist als historischer Bau ein Wichtiger Bestandteil des baulichen und wegen seiner Gesamtplanung auch städtebaulichen "Ensembles Villenvorort Marienburg". Innerhalb der geschichtlichen Entwicklung Marienburgs ist der Bau u. a. deshalb von besonderem Interesse, weil er in lebendigem Kontrast die Architekturentwicklung vom Historismus zur Moderne dokumentiert. Erst durch diese Vielfalt der Stile und Hausformen bei gleichzeitiger Unterordnung unter ein Gesamtbild erhält das architektonische Erscheinungsbild des Vorortes Marienburg seine spezifische Ausprägung.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_3623- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohnhaus
- Adresse
- Lindenallee 29 , 50968 Köln
- Stadtteil
- Marienburg
- Baujahr
- um 1908
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 08.04.1986
- Koordinaten
50.89612° N, 6.97585° E