Jugendheim "Ludwig-Wolker-Haus"
Erbaut 1955/56, Architekten Karl Band, Wichterich; 2 1/2 Geschosse, Souterrain, Satteldach, Sichtbetonfassade mit vortretenden Stahlbetonstützen als Gliederungselemente, rechter Gebäudeteil mit Backsteinverblendung, in den Brüstungsfeldern der Fenster des 1. OGs Holztafeln mit darauf angebrachten, künstlerisch gestalteten Farbmosaiken, Fenster weitgehend original, Eingangssituation mit der Terrazzotreppe, dem Metallgeländer, der Backsteinverblendung der Wände, der kreisrunden Vitrine und der Tür (Holz u. Glas) weitgehend original. Rückseite und der 1 1/2 geschossige flachgedeckte Anbau mit neuerer Putzfassade (oberer Abschluß des Anbaus mit neuerer Schieferverblendung), Fenster (am Vorderhaus teilweise kreisrund) weitgehend original und mit farbiger Bleiverglasung, Tür original. Im Inneren original erhalten: in der Eingangshalle einige Holztüren, Verkleidung einer Wand mit Holzleisten, runde Fensteröffnungen in der Decke; im Treppenhaus Stahlbetontreppe mit Terrazzobelag, Metallgeländer und Mipolamhandlauf (im EG mit nebenliegender mosaikverblendeter Stütze), einige, in eine durch Holzsprossen gegliederte Glaswand eingefügte Abschlußtüren.
Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist, als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:
Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten oft im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet. Das o.g. Gebäude, das "Ludwig-Wolker-Haus", wurde 1955/56 als Zentralheim der katholischen Jugend Kölns nach Plänen des Architekten Karl Band unter Mitarbeit von Wichterich errichtet. Es setzte die Reihe der vor allem nach der Währungsreform in größerem Umfang erbauten Jugendheime in Köln fort, nachdem deren Zahl 1945 auf nur 7 gesunken war. Das Gebäude, das die Erinnerung an den der kath. Jugend verbundenen Prälat Ludwig Wolker bewahrt, paßt sich in Kubatur und Maßstäblichkeit dem benachbarten ehemaligen Äbtissinnenhaus von St. Maria im Kapitol aus dem 18. Jahrhundert an (Kasinostr. 1-3). Gleichzeitig hebt es sich aber durch seine bewußt moderne Gestaltung von diesem ab. Die durch die sichtbaren Stützen des Stahlbetonskeletts in vertikale Abschnitte untergliederte Sichtbetonfassade bekommt durch die Verwendung des traditionellen Backsteins an der rechten Gebäudeseite und im Eingangsbereich eine zusätzliche Spannung und Dynamik. Auch die Wirkung der auf Holztafeln angebrachten farbigen Mosaikdarstellungen in den Brüstungsfeldern des 1. Obergeschosses, die hier künstlerische Akzente setzen, wird durch den Materialgegensatz zum Sichtbeton noch gesteigert. Das o.g. Objekt, das auch an der Rückfront und beim Anbau über künstlerische Details, etwa Fenster mit farbiger Bleiverglasung, verfügt wird somit, auch im Ensemble mit dem fast zeitgleich entstandenen Nachbarhaus desselben Architekten (Kasinostr. 7/Pipinstr.4) zum unverzichtbaren Dokument der Nachkriegsarchitektur. In unmittelbarer Nachbarschaft zur bedeutenden romanischen Kirche St. Maria im Kapitol errichtet, ist das Gebäude des renommierten Kirchenbau-Architekten Karl Band auch im Zusammenhang mit der Umbauung der stark kriegszerstörten Kirche in den 50er Jahren unbedingt erhaltenswert.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_6243- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Jugendheim "Ludwig-Wolker-Haus"
- Adresse
- Kasinostraße 5 , 50676 Köln
- Stadtteil
- Altstadt/Süd
- Baujahr
- 1955 bis 1956
- Architekt
- Karl Band
- Eigentum
- kirchliches Eigentum
- Denkmal seit
- 28.10.1991
- Koordinaten
50.93469° N, 6.95694° E