Wohn- u. Geschäftshaus
Erbaut um 1880, auf rechteckiger Grundfläche (im Erdgeschoß die gesamte Parzelle bebaut).
Fassade: 5 Geschosse, ausgebautes Dachgeschoß, Satteldach, schiefergedeckt, 3 Achsen, Backsteinfassade mit Stuckgliederungen in Formen des Klassizismus, Erd- und 1. Obergeschoß weitgehend verändert, im Erdgeschoß Wandplattenverblendung, im 1. Obergeschoß nachträglicher Einbau eines Querrechteckfensters, Fassadendekoration entfernt, erhalten sind die flankierenden Pilaster in geschmiedetem Stahl mit Konsoldekoration, Ladenlokal weitgehend verglast, Fenster des 2. und 3. Obergeschosses mit geradem oberen Abschluß, im 4. Obergeschoß Rundbogenfenster, Fenster des 2. bis 4. Obergeschosses original bzw. in Teilen original (Holz, Mittelteilung, Oberlicht).
Im Inneren: Ladenlokal: zweifarbige Bodenfliesen (Nachkriegszeit), später angebrachte Wandfliesen, weiß, bis zur Raumdecke, mit Bordüre in blau und türkis, originale Thekeneinbauten in Marmor aus späterer Zeit.
Keller und Tiefkeller.
Der eingeschossige Anbau im ehemaligen Hof (mit OberlichtPultdach) ist nicht Bestandteil des Denkmals.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die in der Kölner Altstadt verheerende Verluste der historischen Baukultur zur Folge hatten, wurden weite Teile der gebauten Umwelt, insbesondere die die Altstadt prägende Architektur des späten 19. Jahrhunderts z. T. aufgegeben. Den architektonischen und stadtplanerischen Vorstellungen der Nachkriegszeit entsprechend schuf man durch eine großzügige Planung ausgedehnte Freiflächen, die eine großräumige Gestaltung zur Folge hatte. Der Straßendurchbruch Nord-Süd-Fahrt mitten durch die Altstadt und seine architektonische Fassung führten weitgehend zu eine Entwertung des historisch gewachsenen Stadtgrundrisses und zu großmaßstäblich geplanter Neubebauung.
Im Bereich zwischen den Verkehrsachsen Hahnen- und Magnusstraße, unweit des Neumarktes und des Kirchengebäudes St. Aposteln liegt die Apostelnstraße mit Wohn- und Mietwohnbebauung sowie gewerblicher Gebäudenutzung auf gewachsenen überkommenen kleinteiligen Parzellen mit relativ alter Bausubstanz, sowie einer Vielzahl drei- bis viergeschossiger Nachkriegsneu- und Wiederaufbauten (z. B. Nrn. 40 und 46). Die Apostelnstraße in Nord-Süd-Erstreckung zwischen Breite- und Mittelstraße gelegen, weist eine noch annähernd intakte Zeilenbebauung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auf. In diesem Ensemblebereich kommt dem Gebäude Apostelnstr. 44 mit einigen weiteren Gebäuden der Entstehungszeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besondere Bedeutung zu. Das für die Kölner Stadtarchitektur typische, rheinischer Bautradition verpflichtete schmale und hohe Gebäude mit rückwärtigem kleinen Grundstück (heute eingeschossig bebaut) zeigt eine sehr aufwendig gestaltete, städtische Baukultur repräsentierende, dem historistischen Formenkanon verpflichtete Fassade auf. Die in unverändertem Zustand (das Erd- und 1. Obergeschoß ausgenommen) überlieferte Schauseite prägt der geschoßweise Wechsel von Backstein- und Stuckdekorationen in klassizistischen Formen (Schmuckformen: Betonung der Mittelachse durch Pilasterstellung, Dreieckbekrönung und waagerechte Verdachungen, Kapitellplastik, im 4. Obergeschoß Gruppe von Rundbogenfenstern mit Pilasterstellung, Geschoß/Sohlbankgesimse, z. T. gekröpft, profiliertes Traufgesims).
Die aufwendige Gestaltung der dreiachsigen Fassade charakterisiert die gehobenen Wohnansprüche der Bauherren, die dem Gebäude trotz der durch die Parzellendisposition eingeschränkten Möglichkeiten eine individuelle architektonische Form gaben, die sich von der Massenbauweise des Historismus abhebt. Das Gebäude Nr. 44 ist Teil eines zusammenhängenden Ensembles von Fassaden und Gebäuden mit historistischen und Jugendstildekorationen (z. B. Nr. 42: fünfgeschossiges dreiachsiges Gebäude mit Stuckfassade in Formen des Klassizismus). Weitere Nachbargebäude und gegenüberliegende Wohn- und Geschäftshäuser sind wie die Nr. 44 in weitgehend unverändertem Zustand überliefert. Für das Erscheinungsbild der traditionsreichen Geschäftsstraße ist das Gebäude von hohem Wert. Es dokumentiert trotz mancher Verluste (Erdgeschoßfassade und Teile der Innengestaltung) überkommene städtische Lebens- und Wohnformen der historischen Altstadt Kölns und ist als zeittypisches Denkmal gebauter Architektur vom Ende des vorigen Jahrhunderts ein unverzichtbarer Bestandteil der Kölner Baukultur im ausgehenden 19. Jahrhundert.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8145- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohn- u. Geschäftshaus
- Adresse
- Apostelnstraße 44 , 50672 Köln
- Stadtteil
- Altstadt/Nord
- Baujahr
- um 1880
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 01.09.1997
- Koordinaten
50.93814° N, 6.94532° E