Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_8215 Waldhausstraße 36 · Dellbrück

Wohnhaus

Typ
Gebäude
Baujahr
1926
Denkmal seit
1997
Stadtteil
Dellbrück
Fotografien
0 Bilder
Street View wird geladen …

Erbaut 1926, Architekt Josef Op Gen Oorth; östliche Hälfte eines zweigeschossigen Doppelhauses im Heimatschutz-Stil mit Anklängen an das Neue Bauen und den Expressionismus, backsteinsichtige Fassade (Sockel verputzt) und ausgebautes Dachgeschoß, vorkragendes, abgeschlepptes Walmdach, Fenster der östlichen Haushälfte größtenteils erneuert.

Straßenfassade: Insgesamt 4 Achsen, östliche Haushälfte mit 4 originalen Kellerfenster, links Parterre-Erker mit Balkon, Dachhäuschen vergrößert und Schornstein erneuert.

Seitenfassade: 3 Achsen, in Mittelachse rundbogige Haustür (original) mit Außentreppe und kleinen, vergitterten Seitenfenstern (erneuert), darüber schmales, hochrechteckiges Treppenhausfenster und Dacherker mit 3 Fenstern; rechts und links geschlossene Wandflächen, 1 originales Kellerfenster; an der linken Ecke schließt die Garage an.

Garten: Vorgarten (Einfahrt nachträglich mit Platten ausgelegt) und rückwärtiger Garten; originale Einfriedung aus Backstein (seitlich Mauer, straßenseitig Sockel und Mauerpfosten erhalten, Gitter fehlt hier).

Bestandteil des Denkmals ist auch die baueinheitlich errichtete Garage mit Holztor.

Der heutige Ortsteil Dellbrück entstand erst 1905 durch Zusammenlegung der Dörfer Thurn, Strunden, Hagedorn und Dellbrück. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wuchsen die einzelnen Ortschaften mehr und mehr zusammen und der Ort begann sich unter dem Einfluß der verkehrsmäßigen Anbindung an Mülheim bzw. Köln zu entwickeln. Der Bergisch Gladbacher Straße als Ost-West-Verbindung kam dabei besondere Bedeutung zu. Die ehemalige Land- und Heerstraße war 1842 durch den Freiherrn von Fürstenberg ausgebaut worden. Am östlichen Ende dieser Straße entstand im Bereich von Thielenbruch, einem ursprünglich sumpfig-moorigen Waldgebiet, seit der Jahrhundertwende ein Wohnviertel für die gehobenen Ansprüche wohlhabender Bürger.

Gefördert durch die Eingemeindung Dellbrücks nach Köln im Jahre 1914 und die gute Verkehrsanbindung (Straßen- und Eisenbahn) entwickelte sich das weiträumig angelegte und durchgrünte Villenviertel Thielenbruch zu einem heute noch weitgehend geschlossen erhaltenen Viertel besonderer Wohnqualität, das die gesellschaftlichen Verhältnisse seiner Entstehungszeit spiegelt und das Bedürfnis der damaligen Stadtbevölkerung nach zurückgezogenem Wohnen im Grünen veranschaulicht.

Das o. g. Objekt wird durch eine Synthese von traditionellen und progressiven Stilmitteln in seiner repräsentativen Grundhaltung charakterisiert. Die breite Lagerung des Doppelhauses, das hohe, abgeschleppte Walmdach und die hölzernen Fensterläden entstammen dem traditionellen Bauen im Bergischen Land. Doch sind hier auch Einflüsse des Expressionismus festzustellen, so die starke Betonung der Horizontale durch das ausladende Dachgesims sowie das liegende Rechteckformat der bündig eingesetzten Fenster und des seitlichen Dachhäuschens. Ebenfalls an diesen Stil angelehnt ist die Backsteinsichtigkeit der Fassade und die rundbogige, gestufte Haustür. Am Architekturstil des Funktionalismus orientiert sich dagegen die aus Kuben zusammengesetzte klar gegliederte Außengestalt des Hauses, in dies sich damals moderne Einzelformen wie die Eckfenster oder das schlitzförmige Treppenhausfenster einorden.

Aus traditionellen und progressiven Architekturströmungen entwickelte der Architekt Josef Op Gen Oorth im o. g. Objekt eine für das Villenviertel Thielenbruch typische Synthese. Das Haus ist daher ein wesentlicher Bestandteil des Viertels, das erst ab Mitte der 20er Jahre in diesem Teil bebaut wurde (vgl. Waldhausstr. 22-44).

Die Mischung verschiedener Architekturströmungen spiegelt darüberhinaus aber auch die persönliche Stilentwicklung des bedeutenden Kölner Architeckten Op Gen Oorth wieder (u. a. Erbauer des Tanzbrunnens im Deutzer Rheinpark), der in diesen Jahren von einer historisierenden und expressionistischen Bauweise zu einer funktionalistischen Architekturauffassung gelangt. Als wichtige Etappe auf diesem Weg ist das Doppelhaus Waldhausstr. 34/36 anzusehen (vgl. Martina Lambrich, Leben und Werk des Architekten Josef Op Gen Oorth (1895-1973), Universität Bonn (1988) mit weiterführender Literatur).

Der Villencharakter des Doppelhauses wird neben der repräsentativen Außengestaltung auch durch die Einbettung in Grünflächen begründet. Vorgarten und rückwärtiger Garten sind deshalb integrativer Bestandteil des Anwesens.

Aus den o. g. Gründen ist das Haus Waldhausstr. 36 unbedingt zu erhalten.

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8215
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Wohnhaus
Adresse
Waldhausstraße 36 , 51069 Köln
Stadtteil
Dellbrück
Baujahr
1926
Eigentum
privates Eigentum
Denkmal seit
18.11.1997
Koordinaten
50.98029° N, 7.08607° E