Wohn- u. Geschäftshaus
1951 - 53 erbaut, Architekt: Ludwig Albert (Köln); zwei mehrgeschossige Baukörper auf rechteckiger Grundfläche, in den beiden unteren Geschossen (Keller und Erdgeschoß am Alter Markt, Keller und Souterrain an der Bürgerstraße) durchgehend miteinander verbunden, auf der Ebene des ersten Obergeschosses bzw. Erdgeschosses mit eingeschossigem Verbindungstrakt.
Fassade am Alter Markt: Fünf Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (schiefergedecktes Walmdach hinter gestuftem, horizontal abschließendem Flabes); drei Achsen, axialsymmetrische Anlage mit mittlerem Eingang; Tür- und Fensteröffnungen hochrechteckig, im Dachgeschoß zwei gekuppelte Fenster mit stichbogigem Abschluß, Fenster und Fenstertüren im ersten Obergeschoß erneuert (ursprünglich zweiflügelig mit horizontaler Sprossenteilung), Ladentür im Erdgeschoß erneuert, Schaufenster und Rolläden original; im ersten Obergeschoß Balkonaustritt in Fassadenbreite, originales Metallgeländer; Fassade im Erdgeschoß mit Natursteinverkleidung (Flächen aus Tuff, Sockel und Gewände der Tür und Schaufenster aus Basaltlava), ab erstem Obergeschoß Putzfassade; zwischen den beiden Fenstern im Dachgeschoß Skulptur aus Tuff (stehende weibliche Gewandfigur mit Lilie), ca. 1952, Bildhauer: Klaus Albert.
Fassade an der Bürgerstraße: Souterrain, drei Geschosse und ausgebautes Dachgeschoß (schiefergedecktes Satteldach mit drei schieferverkleideten, stichbogig abschließenden Gauben); vier Achsen, jeweils zwei Achsen durch geringeren Abstand zusammengefaßt; zwei rechteckige Haustüröffnungen mit Natursteingewänden (Muschelkalk) in den beiden rechten Achsen, originale Haustüren, hochreckteckige Fensteröffnungen, Fenster erneuert (ursprünglich zweiflügelig mit horizontaler Sprossenteilung); Putzfassade, Sockel mit Basaltlavaverkleidung.
Hofseitige Rückseiten: Putzfassaden, Fenster erneuert (Kunststoff) (ursprünglich zweiflügelig), Gebäudeteil an der Bürgerstraße mit zwei verschieferten Gauben, (nachträglicher Spitzbodenausbau mit drei Dachflächenfenstern), eingeschossiger Verbindungstrakt zwischen beiden Gebäudeteilen mit flachem Dach, Gebäudeteil am Alter Markt mit vortretendem Treppenhausrisalit.
Im Inneren original erhalten: Grundrißgestaltung, in den Treppenhäusern beider Gebäudeteile Terrazzoboden und Terrazzotreppe mit Metallstabgeländer und Holzhandlauf, (Wände neu verputzt), Wohnungsabschlußtüren.
Das Martinsviertel, auch als "Rheinviertel" bezeichnet, entwickelte sich seit dem 11./12. Jahrhundert zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsviertel im Bereich um die romanische Kirche Groß St. Martin. Die unmittelbare Nähe der hier errichteten Gebäude zum ehemaligen Hafengelände prägte das Erscheinungsbild der hohen Kaufmanns- und Stapelhäuser auf schmalen Parzellen an engen Gassen und Marktflächen. Bis zu seiner Verlegung auf die ehemalige Rheinauhalbinsel im Jahre 1898 wurde der gesamte Hafenbetrieb hier vor dem zentralen Altstadtgebiet abgewickelt. Nach dem Krieg wurde das stark zerstörte altstädtische Gebiet des Martinsviertels mit den Bereichen um den Alter Markt und den Heumarkt überwiegend nach einheitlichen Gesichtspunkten unter Wahrung der wenigen erhaltenen Bausubstanz als historischer Altstadtbereich wiederaufgebaut bzw. neu erbaut. Ziel war es, die Stadtsilhouette durch Anlehnung an überlieferte Baugruppen, die historische Maßstäblichkeit und einen entsprechenden Rhythmus der Baumassen neu entstehen zu lassen. Die Parzellenstruktur wurde weitgehend übernommen.
Die an der westlichen Seite des Platzes gelegene Fassade des Gebäudes Alter Markt 45 zeigt eine zurückhaltende, das Erscheinungsbild des historischen Platzes wahrende Gestaltung in einem dreiteiligen Gliederungsrhytmus. Auch im gewerblich genutzten Erdgeschoß ist die Front nicht in durchgehende, breite Schaufensterflächen aufgelöst, wie es dem fortschrittlicheren Zeitstil der 1950er Jahre entsprochen hätte, sondern die Axialität ist über alle Geschosse durchgeführt. Nur im obersten Geschoß sind durch dessen geringere Breite im Bereich des Dachansatzes die beiden Fenster zusammengerückt. An dieser Stelle wird mit dem Aufgreifen der typischen Dachzonengestaltung durch ein steiles Walmdach, dessen Fußpunkt hinter einer hochgezogenen Walmmauer mit einmal gestuftem, horizontalen Abschluß, dem sog. Flabes, verborgen ist, ein Anknüpfen an die historische Bautradition besonders deutlich. Auch der Vorgängerbau aus der Zeit um 1780, der bis zur Kriegszerstörung - im Erdgeschoß 1939 umgebaut - bestand, besaß einen solchen waagerechten, seitlich leicht geschweiften Abschluß.
Die gestalterischen Details beschränken sich auf wenige, allerdings für die Bauzeit kennzeichnende Elemente wie z. B. die Geländerbrüstung des Balkons in sich überschneidenden Lanzettbogenformen und die Fensterleibungen, die mit andersfarbigen Faschen gegen den Fassadenputz abgesetzt sind. Die verwendeten Materialien (Naturstein für die Erdgeschoßverkleidung und Messing für das Balkongeländer) unterstützen die gediegene Wirkung der Fassade.
Ebenfalls bewußt mit Bezug auf die frühere bauliche Situation wurde an exponierter Stelle im Dachgeschoß zwischen den beiden stichbogig abschließenden Fenstern als besonderer Fassadenschmuck eine von dem Bildhauer Klaus Albert, dem Sohn des Architekten, gefertigte Skulptur angebracht. Das Haus Alter Markt 45 trug ursprünglich den seit 1428 belegten Namen "Zur Lilie". Die Frauenfigur hält dementsprechend eine Lilie in den Händen.
An der Bürgerstraße weist die Fassade die gleichen sparsamen Gestaltungselemente auf wie die Fassade am Alter Markt. Traditionelle Baumaterialien wie Naturstein für die Türgewände und Schiefer für die Dachdeckung sind auch hier verwendet worden. Im Gegensatz zur Giebelform am Alter Markt greift an der Bürgerstraße die traufständige Satteldachform die dortige historische Situation vor der Kriegszerstörung auf.
In zeittypisch schlichter und zurückhaltender Ausführung ist auch die Ausstattung des Gebäudeinneren gehalten, die in der Grundrißanlage und den Treppenhäusern weitgehend erhalten ist.
Städtebaulich bildet des Gebäude Alter Markt 45/Bürgerstr. 8 - 10 einen integralen Bestandteil der wiederhergestellten historischen Situation. Besonders auf der westlichen Seite des Alter Marktes trägt es zur Veranschaulichung einer der ältesten Platzanlagen Kölns bei. Das Gebäude ist aufgrund der Wahrung der historischen Maßstäblichkeit der Altstadtbebauung mit Verwendung von Versatzstücken der für die Kölner Baugeschichte charakteristischen Fassadendetails und trotz bzw. deshalb gerade wegen der konservativen architektonischen Gestaltung als Zeugnis für den Wiederaufbau des historischen Stadtbereichs unbedingt erhaltenswert.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8344- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohn- u. Geschäftshaus
- Adresse
- Alter Markt / Bürgerstraße 45 /8-10 , 50667 Köln
- Stadtteil
- Altstadt/Nord
- Baujahr
- 1951 bis 1953
- Architekt
- Ludwig Albert
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 21.08.1998
- Koordinaten
50.93878° N, 6.95955° E