Wohn- u. Geschäftshaus
Erbaut 1953/54, Architekt: Heinz Hausberg, auf weit in den Blockinnenbereich ragender rechteckiger Grundfläche.
Fassade: 5 Geschosse, spitzes und geschiefertes Walmdach hinter Flabes, Putzfassade in Formen der zeitgenössischen Moderne, im Erdgeschoß Tuffsteinwandverkleidung, 3 Achsen, vertiefter Eingang links im Eingangsbereich zum Ladenlokal, Natursteinbodenplatten, Ladenlokal mit großem Schaufenster (Rundpfeiler), Ladentür in Metall original erhalten, an der Ecke gerundetes Glas, links Glasvitrine mit gerundetem Glas, Haustür mit Oberlicht, Metall, Sprossenteilung, verglast, original erhalten, annähernd quadratische, zu Dreiergruppen zusammengefaßte Einscheibenfenster, alle straßenseitigen Fenster erneuert (Kunststoff).
Rückseite: verputzt, zweiachsig, Treppenhausfensterband über alle Geschosse, Metall, sprossengeteilt, Fenster mit geradem oberen Abschluß, alle rückwärtigen Fenster erneuert (Einscheibenfenster in Kunststoff). Der gesamte Hofbereich eingeschossig bebaut.
Im Inneren original erhalten: Treppenhaus: Kunststeinboden, Treppe in Kunststein, Geländer in geschmiedetem Stahl, Handlauf Mipolam, Terrazzotreppe zum Keller, Wohnungseingangstüren und Gewände in Holz. In den Wohnungen: Linoleumböden, zum Teil beschädigt, Türen, zum Teil verglast und Gewände in Holz, Fensterbänke in Naturstein.
Das Martinsviertel, auch als "Rheinviertel" bezeichnet, entwickelte sich seit dem 11./12. Jahrhundert zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsviertel im Bereich um die romanische Kirche Groß St. Martin. Die unmittelbare Nähe der hier errichteten Gebäude zum ehemaligen Hafengelände prägte das Erscheinungsbild der hohen Kaufmanns- und Stapelhäuser auf schmalen Parzellen an engen Gassen und Marktflächen. Bis zu seiner Verlegung auf die Rheinauhalbinsel im Jahre 1898 wurde der gesamte Hafenbetrieb hier vor dem zentralen Altstadtbereich abgewickelt. Das altstädtische Gebiet mit den Bereichen um den Alter Markt und Heumarkt mit dem anliegenden Martinsviertel und dortigen Überresten des mittelalterlichen Handelsviertels wurde nach dem Krieg überwiegend nach einheitlichen Gesichtspunkten und unter Wahrung der wenigen erhaltenen Bausubstanz als historischer Altstadtbereich wiederaufgebaut bzw. neu erbaut. Während der Aufbauphase seit den 50er Jahren stellte sich im Martinsviertel die Aufgabe, die Stadtsilhouette durch Maßstäblichkeit, Anlehnung an überlieferte Baugruppen, Baumassen und Rhythmus zu bewahren. Die Parzellenstruktur wurde weitgehend übernommen (im vorliegenden Fall wurden die Parzellen der Gebäude Nrn. 41 und 43 zusammengelegt), ebenso konnten die Spitzdächer mit gleicher Traufhöhe (Kölner Dach), die 1965 von der Städtebaukonferenz für Neubauten gefordert wurden, realisiert werden. Den Alter Markt - das Zentrum des Martinsviertels charakterisieren spitze schiefergedeckte Sattel- oder Walmdächer im Gegensatz zur Betonung der Horizontalen durch gleichförmige Reihung der Fenster (fünfgeschossig bei zum Teil unterschiedlicher Geschoßordnung, drei bis vier Achsen), die durch mehrteilige Zusammenfassung als Bänder in den Obergeschossen die Putzfassaden auflockern. Das traditionelle Prinzip der Verjüngung im obersten Geschoß wird durch das rechteckige überlängte einzelne Fenster mit flankierenden geschlossenen Wandflächen realisiert. Die Dachsilhouette und die Fassadengestaltung sind prägend für die Gesamtansicht am Alter Markt, sie tragen zur Vereinheitlichung des historischen Platzes bei. Der Alter Markt erscheint nach der Wiederaufbauphase als einheitlich gestalteter, nach Süden hin offener Platz. Das an der westlichen Seite des Platzes gelegene Gebäude Alter Markt 41/43 zeigt eine zurückhaltend gestaltete, das Erscheinungsbild des historischen Platzes wahrende Schauseite (dreiteiliger Gliederungsrhythmus, schmukklose Putzfassade, konsolartige Abschlüsse der Fensterstürze, ein hinter die flächige Fassadenwand mit horizontalem Abschluß zurückverlegtes spitzes Walmdach). Die Platzbebauung weist in der Mehrzahl Gebäude mit gewerblicher Nutzung in den - dementsprechend weitgehend verglasten und bisweilen durch agressive Werbeanlagen gestörten (die Nachbarhäuser Nrn. 35/37 und 39) - Erdgeschossen auf. Der den Gebäuden vorgelagerte Bereich zeigt sich als Fußgängerpromenade an baumbestandenen Grünflächen. Städtebaulich bildet das Gebäude einen integralen Bestandteil der wiederhergestellten westlichen Seite des Alter Marktes und trägt auf diese Weise zur Veranschaulichung einer der ältesten Platzanlagen Kölns bei. Das Gebäude Alter Markt 41/43, das sich bewußt an der Maßstäblichkeit und dem Erscheinungsbild der Vorkriegsbebauung (Altstadtsanierung der NS-Zeit) orientiert, ist aufgrund der Wahrung der historischen Maßstäblichkeit des Kölner Altstadtcharakters mit Verwendung von Versatzstücken der für die Kölner Baugeschichte charakteristischen Fassadendetails und trotz der äußerst konservativen architektonischen Gestaltung, als Zeugnis für den Wiederaufbau des historischen Stadtbereichs unbedingt erhaltenswert.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_7780- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohn- u. Geschäftshaus
- Adresse
- Alter Markt 41-43 , 50667 Köln
- Stadtteil
- Altstadt/Nord
- Baujahr
- 1953 bis 1954
- Architekt
- Heinz Hausberg
- Eigentum
- städtisches / öffentliches Eigentum
- Denkmal seit
- 11.03.1996
- Koordinaten
50.93873° N, 6.95965° E