Wohnhaus
1959/60 erbaut, Architekt: Joachim Schürmann; Einfamilienhaus auf quadratischem Grundriss; eingeschossig mit Flachdach, teilweise unterkellert; Schwemmsteinmauern; verputzt. Innen: Betonfundament, Stahlbetondecke im Keller, Holzbohlendecke im EG; Schilfrohrmatten mit Kalkputz; Atrium; teilweise raumhohe, großflächige Fensteröffnungen; Holzfenster (mindestens straßenseitig und auf der Südseite in Kunststoff erneuert)
Das Grundstück und das Innere des Hauses konnten nicht besichtigt werden.
Nach Aktenlage vermutlich: Hauseingangstür (original?), überdachter Sitzplatz; Terrassen; Stahlbetontreppe; Boden: EG Naturstein.
Bestandteile des Denkmals:
Garage mit Holztor, Zugang mit Betonplatten und Klinker belegt (verändert);
Vorgarten mit Hecke aus unterschiedlichen Gehölzarten, Großgehölze: Hainbuche, Eibe. Gartenmauer mit kleinen Pflanzflächen zur Bachemer Str. 1967 (Arch.: Schürmann);
Garten mit Großgehölzen: Birke, Koniferen, Blauglockenbaum.
Das ergibt sich aus Folgendem:
Die Entwicklung des Kölner Stadtteils Lindenthal aus einer Vielzahl unterschiedlich großer Dörfer zu einem geschlossenen Vorort begann in den 1840er Jahren als an der Dürener Straße ein bislang unbebautes Areal für Wohnhäuser erschlossen wurde.
Schon am Anfang war eine starke Durchgrünung bestimmend und bereits vor der Eingemeindung Lindenthals 1888 setzte eine Villenbebauung für wohlhabende Kölner Bürger ein, die ihren Höhepunkt zu Beginn des 20. Jahrhunderts erreichte, nachdem sich die Anlage des Stadtwaldes in den Jahren 1895-1898 begünstigend ausgewirkt hatte. Auf die Struktur des Stadtteils hatte die in den 1930er Jahren hierhin verlegte Universität außerdem zunehmend prägend Einfluss.
Das o.g. Haus Räderscheidtstr. 1 gehört zur Bebauung eines in der Nachkriegszeit erschlossenen Wohnviertels. Seit etwa 1950 wurde für den Ausbau des westlichen Lindenthal Bereiche genutzt, die ehemals zu den umfangreichen Ländereien des Decksteiner Hofes gehörten, der um 1900 durch Brand vernichtet und in der Folgezeit zugunsten eines großen Ausflugslokals mit Vergnügungspark, der „Decksteiner Mühle“, aufgegeben worden war.
Bereits in den frühen 1950er Jahren war so das Gebiet zwischen dem Friedhof im Südosten und der verbreiterten Bachemer Str. im Norden bebaut worden. Die von der Bachemer Straße südlich abzweigende, neu angelegte Räderscheidtstraße füllte sich in den späten 1950er und 1960er Jahren allmählich mit freistehenden Einfamilien- und Doppelhäusern.
Das 1959/60 o.g. Gebäude entstand nach Plänen des renommierten Kölner Architekten Joachim Schürmann. 1926 in Viersen geboren, studierte er zwischen 1946-49 an der Technischen Hochschule in Darmstadt Architektur. Schürmann eröffnete 1956 in Köln sein eigenes Büro, nachdem er zuvor u.a. bei Theodor Kelter gearbeitet hatte, in dessen Team er als verantwortlicher Planer die Stadtsparkasse in der Komödienstraße entworfen hatte.
Das o.g. Objekt dokumentiert die architektonische Leistung Schürmanns, der in Köln und über die Stadt hinaus als konsequentester Verfechter der Ideen von Mies van der Rohe in den 1950er bis in die 1960er Jahre hinein galt. In diesem Zusammenhang stehen auch sein eigenes, in der Nachbarschaft gelegenes, kurz vorher entstandenes (1956/57) Wohnhaus Enckestr. 2, das jenseits der Decksteiner Str. an der Hans-Driesch-Str. 15 gelegene, im Jahr zwischen diesen beiden Bauten errichtete Wohnhaus sowie die beiden gleichzeitig errichteten anliegenden Wohnhäuser Räderscheidtstr. 3 und Peter-Kintgen-Str. 2. Sie alle sind in Skelettbauweise unter Verwendung von viel Glas erstellt.
Die rechteckigen Wandfelder, deren Konstruktion konsequent sichtbar gelassen wurde, bilden das Maß, das die Raumdisposition vorgibt. Die Gefache werden durch raumhohe Glasflächen oder verschiedenartig verkleidete Paneele geschlossen. Bewusst ist die Massivbauweise auf eine Minimum beschränkt.
Bei dem Haus Räderscheidtstr. 1 öffnet sich das Erdgeschoss zur östlich des Hauses liegenden Terrasse sowie zum innen liegenden (teilweise begrünten?) Innenhof hin vollständig. Diese Offenheit ist das Resultat der auf das Wesentliche reduzierten, lichten Bauart, die auch das umgebende Grün bzw. die Freiflächen mit in die Architektur einbezieht.
Aus der klar durchdachten Folge von Räumen und Nischen, die man schließen und öffnen kann, sowie der Außenflächen ergibt sich ein flexibler Grundriss. Eine helle Farbigkeit der Fensterrahmen und verputzten Bauteilen kontrastiert mit fast schwarzen Tönen an der Verschalung und am Fachwerk. Monochromie ist eines der charakteristischen Merkmale der Architektur Schürmanns der 1950er Jahre.
Die Besonderheit der genannten Bauten wird durch ihre Häufung gesteigert. Die Bauten Peter-Kintgen-Str. 2 und Räderscheidtstr. 1 und 3 sind als Ensemble zudem in ihrem Nebeneinander aufeinander abgestimmt und werden in zeitgenössischen Publikationen zusammen erläutert. Sie hatten somit als niedriges Gebäudeensemble eine besondere Wirkung auf die damaligen Architekten.
Das Haus Räderscheidtstr. 1 ist nicht nur aus wissenschaftlichen, hier architekturhistorischen Gründen ein bedeutendes Werk des Architekten Schürmann, sondern bildet darüber hinaus mit den weiteren genannten avantgardistischen Bauten ein in den damaligen Publikationen viel zitiertes Vorbild für das lichte Bauen der 50er Jahre im Sinne Mies van der Rohes.
Dank seiner weitgehend erhaltenen originalen Substanz ist das Haus Räderscheidtstr. 1 ein bedeutendes Werk des bekannten Architekten Joachim Schürmann und dokumentiert die Ausbauphase Lindenthals nach 1945. Es ist aus geschichtlichen, wissenschaftlichen, städtebaulichen und künstlerischen Gründen zu erhalten.
Literatur
Deutsche Bauzeitung 1963.
Gerhard Schwab (Hg,.): db – Einfamilienhäuser 51-100, Stuttgart 1966.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8602- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohnhaus
- Adresse
- Räderscheidtstraße 1 , 50935 Köln
- Stadtteil
- Lindenthal
- Baujahr
- 1959 bis 1960
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 06.01.2003
- Koordinaten
50.92063° N, 6.89442° E