Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_8606 Prämonstratenserstraße 74 · Dünnwald

Wohnhaus (ehem. Pfarrhaus)

Typ
Gebäude
Baujahr
um 1830
Denkmal seit
2003
Stadtteil
Dünnwald
Fotografien
0 Bilder
Street View wird geladen …

Erbaut um 1830, wahrscheinlich von Bauinspektor Matthias Biercher; 2-geschossiger, 3-achsiger traufständiger Backsteinbau, verputzt, auf querrechteckigem Grundriss; teilweise unterkellert; Schopfwalmdach; hölzernes vorkragendes Traufgesims; Mitteleingang; Tür (erneuert) mit Werksteinrahmung und -trittstufe; hochrechteckige Fenster mit Fensterbänken aus Werkstein, im OG Schlagläden (original); alle Fenster erneuert.

Giebelseiten und Rückfassade verändert; Giebelseiten im EG und OG ursprünglich 2-achsig, im Giebelgeschoss 1-achsig mit halbrunden Fensteröffnungen.

Rückfassade: ursprünglich gleiche Gestaltung wie Straßenfassade; neuer Kellerzugang von außen; im OG Fenster der rechten Achse zugemauert, Fenster der linken Achse verkleinert, keine Schlagläden erhalten.

Östliche Giebelseite: im OG Fenster der straßenseitigen Achse zugemauert, Fensterbank erhalten; Schlagläden des rechten Fensters erhalten; im EG ursprünglich wahrscheinlich keine Tür-/Fensteröffnungen, da ein eingeschossiger Stall angebaut war.

Westliche Giebelseite: Fassade nachträglich verschiefert; im EG Tür- und Fensteröffnung und im OG rechtes Fenster zugemauert, keine Schlagläden erhalten.

Innen original erhalten: Grundriss weitgehend; entstehungszeitlicher tonnengewölbter Backsteinkeller unterhalb des rechten Zimmers und des Flurs (daran anschließend neuzeitliche Kellererweiterung); Dachgeschoss verändert (eingezogene Zwischendecke); Dachstuhl weitgehend erhalten;

teilweise Bodendielen (im OG); teilweise hölzerne Fensterbretter und Türrahmen; keine Zimmer-/Wohnungstüren erhalten; im EG zweiflügelige hölzerne Rahmenfüllungstür mit Verglasung und sprossenunterteiltem Oberlicht zwischen Flur und Treppenhaus (um 1900/10); in der Mittelachse gelegene, einen kleinen Vorraum des im rückwärtigen Hausinnern gelegenen Kellerabgangs (derzeit nicht in Benutzung, Türöffnung jedoch erhalten) zum Treppenhaus hin abschließende, entstehungszeitliche hölzerne Füllungstür, verglast; zweiläufige Holztreppe mit gleichsinnigem Richtungswechsel, deren unterer Lauf jeweils gekrümmt ist, gekehlter hölzerner Handlauf mit Vierkant-Geländerstäben.

Bestandteile des Denkmals

Das Baudenkmal Prämonstratenserstr. 74 umfasst das Gebäude einschließlich der original erhaltenen Bestandteile seiner baufesten Ausstattung. Bestandteil des Denkmals ist auch der Garten als begrünte Freifläche.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Dünnwald wurde im Jahre 1276 erstmals urkundlich erwähnt. Verwaltungsmäßig gehörte es seit Mitte des 14. Jahrhunderts zum Amt Porz, kam 1816 zur Bürgermeisterei Merheim im Landkreis Mülheim und wurde 1914 nach Köln eingemeindet. Dünnwald besitzt mehrere ältere Siedlungskerne. Deren ältester befindet sich an der heutigen Prämonstratenserstraße mit dem erstmals 1118 anlässlich seiner Gründung erwähnten Kloster. Die Prämonstratenserstraße, die bis 1915 offiziell Kirchstraße hieß, ist einer der ältesten Straßen Dünnwalds und stellte die Verbindung zwischen Dorf und Kloster her. Im 19. Jahrhundert verlagerte sich das Zentrum von Dünnwald vom Klosterbereich weg zur Berliner Straße hin.

Bis zum Bau des o.g. Objektes im Jahre 1830 verfügte die Pfarrgemeinde über kein eigenes Pfarrhaus; der Pfarrer bewohnte eine provisorische Wohnung, die ihm am westlichen Ende des Südflügels der alten Klostergebäude (Gut Klosterhof, Prämonstratenserstr. 53) zugewiesen worden war. Diese Räumlichkeiten werden von August Brandt in seiner historischen Abhandlung über Dünnwald als für ein Pfarrhaus „denkbar ungeeignet“ beschrieben, da der Weg zur Kirche umständlich gewesen sei (Brandt o.J., S. 78). Er führte entweder außen um die alten Klostergebäude herum oder aber über die Straße und den alten Friedhof. Somit sei auch die seelsorgerische Betreuung der derart von ihrem Pfarrer abgeschnittenen Gemeindemitglieder beschwerlich gewesen. Dieser Missstand sollte durch den Neubau des Pfarrhauses behoben werden. Ein der Kirche und dem Kirchhof gegenüberliegendes Gründstück an der Prämonstratenserstraße wurde hierfür gewählt. Der Eingang des Pfarrhauses lag nunmehr in direkter Verlängerung des über den Kirchhof zur Pfarrkirche führenden Fußweges.

Erhalten geblieben und von August Brandt ausgewertet sind im Zusammenhang mit dem Neubau des Pfarrhauses stehende Schriftwechsel aus den Jahren 1830ff. zwischen Kirchenvorstand und den zuständigen preußischen Regierungsstellen. Nachdem das Rheinland auf dem Wiener Kongress (1815) Preußen zugesprochen worden war, änderte sich auch das Verhältnis der Kirchengemeinden zum Staat, der mit der Kirchenhoheit u.a. die Aufsicht über die Vermögensverwaltung der Gemeinden erhielt. Somit mussten alle Ausgaben durch den vom Staat eingesetzten Kirchenvorstand beantragt und von der Regierung genehmigt werden – so auch die Kosten für den Bau des Pfarrhauses in der Prämonstratenserstraße 74. Die Korrespondenz gibt Aufschluss über die Streitfrage, wer für Baukosten, Bauunterhalt etc. aufzukommen habe. Somit ist die Baugeschichte des Pfarrhauses gut dokumentiert und liefert wichtige Einblicke in das Verhältnis der katholischen Pfarrgemeinde zum protestantischen Preußenstaat. Das Pfarrhaus ist somit in Verbindung mit den schriftlichen Quellen als zeithistorisches Dokument von großem wissenschaftlichen – hier historischem und pfarrgeschichtlichen – Interesse.

Im Jahre 1830 hatte ein neuer Pfarrer seine Stelle in der Pfarrei Dünnwald angetreten, der auf die Bauplanung des zu dieser Zeit entstehenden Pfarrhauses offensichtlich entscheidenden Einfluss nahm. Die ursprüngliche Planung durch den preußischen Bauinspektor Biercher hatte laut Brandt ein einstöckiges Gebäude vorgesehen. Auf Betreiben des Pfarrers seien die Pläne jedoch geändert und ein zweigeschossiges, teilweise unterkellertes Gebäude mit Stallgebäude und Brunnen mit Pumpe (nicht erhalten) errichtet worden. Das Pfarrhaus konnte 1832 bezogen werden. Überliefert ist u.a. ein Schreiben aus dem Jahre 1833, das über schlecht schließende Fenster berichtet, so dass im oberen Geschoss Fensterläden angebracht werden mussten (teilweise erhalten), um vor dem eindringenden Regen zu schützen.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Dünnwald nur wenige Häuser in massivem Ziegelmauerwerk; vorherrschend waren zumeist noch eingeschossige Fachwerkbauten. Daher kommt dem als Backsteinbau errichteten zweigeschossigen Pfarrhaus aufgrund seiner im dörflichen Kontext anspruchsvolleren Bauweise und Gestaltung ortsteilgeschichtliche Bedeutung zu. Das 1830 errichtete Gebäude ist beispielhaft für die klassizistische Architekturauffassung dieser Zeit. Das im Inneren wie Äußeren in strenger Symmetrie angelegte dreiachsige Gebäude mit Schopfwalmdach wird durch sparsame Werksteingliederungen akzentuiert. Im Inneren stellt die vom Erdgeschoss zum Dachgeschoss führende Treppe ein zentrales gestalterisches Element dar.

Der bauhistorische Stellenwert des o.g. Objektes ergibt sich zudem aus der wahrscheinlichen Urheberschaft des in Köln gebürtigen Regierungsbaumeisters Matthias Biercher (1797–1869). Er zählt, neben J. P. Weyer, zu den einflussreichsten Persönlichkeiten des Kölner Bauwesen der 1830er bis 1850er Jahre und gilt, neben Weyer, als Hauptvertreter das Klassizismus in Köln. Von seinen zahlreichen Planungen und Bauten für und in Köln ist jedoch lediglich ein Seitenflügel des Regierungsgebäudes (1829-32) in der Zeughausstraße erhalten geblieben. Insofern kommt dem Pfarrhaus in der Prämonstratenserstr. 74 als eines der wenigen Zeugnisse des Wirkens von Matthias Biercher eine besondere architekturgeschichtliche Bedeutung zu und ist unbedingt erhaltenswert.

Darüber hinaus stellt das Pfarrhaus im Zusammenhang mit der Pfarrkirche St. Nikolaus, in deren Sichtachse es steht, sowie dem benachbarten Gut Klosterhof einen wichtigen Bestandteil des ältesten Siedlungskernes von Dünnwald dar und trägt zum Erhalt von dessen dörflicher Maßstäblichkeit bei.

Literatur:

Brandt, August. Dünnwald. Die Säkularisation des Klosters (1803). Dorf und Pfarrei im 19. Jahrhundert, hrsg. von der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft in Köln-Dünnwald. Wermelskirchen o.J.

Quirl, Karl E., Grün, Hermann (Hg.). Das alte Dünnwald in Bildern. Vom bergischen Dorf zum Vorort von Köln. Wermelskirchen o.J. [1990]

Vogts, Hans. Das Kölner Wohnhaus bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. 2. Bd. Neuß o.J., S. 609ff.

Weyres, Willy; Mann, Albrecht. Handbuch zur Rheinischen Baukunst des 19. Jahrhunderts. 1800 bis 1880. Köln 1968, S. 33

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8606
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Wohnhaus (ehem. Pfarrhaus)
Adresse
Prämonstratenserstraße 74 , 51069 Köln
Stadtteil
Dünnwald
Baujahr
um 1830
Eigentum
kirchliches Eigentum
Denkmal seit
23.01.2003
Koordinaten
51.00008° N, 7.03180° E