Fritz-Haber-Str.
Benannt nach Fritz Haber (1868–1934), deutsch-jüdischem Chemiker und Nobelpreisträger — und einer der wirkungsmächtigsten und zugleich tragischsten Figuren der deutschen Wissenschaftsgeschichte. Haber wurde in Breslau in einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie geboren, war ab 1906 Professor in Karlsruhe und ab 1911 Direktor des neuen Kaiser-Wilhelm-Instituts für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin-Dahlem. Sein epochales Werk: 1908 gelang ihm die Ammoniaksynthese aus den Elementen Stickstoff und Wasserstoff — Carl Bosch entwickelte das Verfahren ein Jahr später industriell weiter (Haber-Bosch-Verfahren). Mit dem so produzierten Kunstdünger wurde die Welternährung im 20. Jahrhundert revolutioniert; Schätzungen zufolge ist heute die Hälfte der Weltbevölkerung auf Haber-Bosch-Stickstoff angewiesen. Für diese Leistung erhielt Haber 1918 den Chemie-Nobelpreis. Sein Name ist aber auch unauflöslich mit dem ersten Giftgas-Einsatz im Ersten Weltkrieg (Ypern 1915) verbunden — Haber leitete persönlich die Chlorgas-Versuche, seine Frau Clara Immerwahr nahm sich aus Protest das Leben. Trotz seines Patriotismus wurde Haber 1933 als Jude entlassen; er emigrierte und starb 1934 in Basel.
Quellen: