Max-Reichpietsch-Str.
Benannt nach Max Reichpietsch (1894-1917), Matrose der Kaiserlichen Marine und einem der Anführer der Matrosenrebellion vom Sommer 1917. Reichpietsch wuchs in Berlin auf und war ab 1912 als Heizer bzw. Matrose auf der SMS Friedrich der Große stationiert. Im Sommer 1917 protestierte er gegen die ungleiche Verpflegung von Offizieren und Mannschaften (während des "Steckrübenwinters" 1916/17 erhielten die Offiziere weiterhin Vollkost) und gegen Schikanen an Bord. Am 4./5. Juli 1917 organisierte er einen Protest auf der Friedrich der Große; Anfang August 1917 verliessen 400-600 Mann der SMS Prinzregent Luitpold ohne Genehmigung das Schiff. Reichpietsch wurde verhaftet und am 26. August 1917 zusammen mit Albin Köbis als "Haupt-Rädelsführer" wegen "vollendeter Rebellion" zum Tode verurteilt; am 5. September 1917 wurden beide auf dem Truppenübungsplatz Köln-Wahn erschossen – ein Justizmord, den selbst ein internes Rechtsgutachten des Reichsmarineamtes als kaum tragbar einstufte. Die Erschiessung gilt als Vorgeschichte des Kieler Matrosenaufstands von November 1918 und der Novemberrevolution.
Quellen: