Wohnhaus
Erbaut um 1910 auf rechteckiger Grundfläche mit rückwärtigem, abgewinkeltem Seitenflügel.
Fassade: 3 Geschosse mit ausgebautem Dachgeschoß, Mansarddach, Stuckfassade mit Details in Formen des späten Jugendstils, 3 Achsen, Fassadensockel erneuert, Mittelerker auf rechteckiger Grundfläche mit Konsolen und Ziergiebel, Hauseingang links mit originaler Eingangstür (nachträglich verglast), Haustür und Fenster mit geradem oberen Abschluß, Fenster original (mit Sprossenteilung), Fenster im Dachgeschoß erneuert.
Rückseite: 2 Achsen, verputzt, Fenster erneuert (in Holz mit Sprossenteilung). Am Seitenflügel 6 Achsen und 3 Geschosse, dort auch Treppenhaus, Fenster erneuert, im Treppenhaus vierteilige Fenster mit oberem Segementbogenabschluß und zum Teil originaler, farbiger Ornamentverglasung, Gartentür und Kellertür original mit verzierten Handgriffen.
Im Innern original erhalten: Vestibül mit Terrazzobelag (Bordüren, farbiger Ornamenteinschluß in Rot als Mittelbetonung), Wand und Deckenstuck, Treppe aus Terrazzo (im Seitenflügel) mit verziertem Antrittspfosten und Handlauf in Holz (bis in das Dachgesschoß), Podeste mit schwarzer Bordüre, zum Teil originale Wohnungstüren (Türprofile) mit geradem oberen Abschluß und Oberlicht.
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich die bislang dörfliche Siedlung Nippes zu einem bedeutenden Industriestandort, der als Bestandteil der Bürgermeisterei Longerich 1888 nach Köln eingemeindet wurde. Nachdem rapides Bevölkerungswachstum zu großer Wohnungsnot geführt hatte, erlebte Nippes seit etwa 1895 einen regelrechten Bauboom. Erstmals wurden nun auch Gebiete nördlich der alten Achse Flora- und Mauenheimer Straße systematisch für eine Bebauung durch mehrgeschossige Miethäuser erschlossen. So entstand in der kurzen Zeit von 1900 bis 1905 zwischen Flora- und Nordstraße ein Netz gänzlich neuer Straßen um die 1905 nach dem Entwurf von Fritz Encke geschaffene große rechteckige Grünanlage Leipziger Platz. Anlage und Erstbebauung des Erzberger Platzes (ab 1904, ursprünglich Königin-Luisen-Platz), wie auch der angrenzenden Schill-, Nettelbeck- und Freiherrvom-Stein-Straße sowie der platzartigen Erweiterung der Mauenheimer Straße im Bereich der ältesten Nippeser Pfarrkirche (heute St. Heinrich und Kunigund) sind in diesem städtebaulichen Zusammenhang zu sehen. Er entspricht sozialgeschichtlich einer um die Jahrhundertwende mit einer relativen Stagnation der industriellen Entwicklung einsetzenden Wandlung des Industrieortes Nippes zum beliebten Wohnort auch wohlhabenderer Schichten des Mittelstandes. Im wesentlichen prägen um die Jahrhundertwende errichtete zwei- bis dreigeschossige, oft drei Fenster breite Wohnhäuser in Backstein und mit sparsamen Dekorationsformen, und bis ins frühe 20. Jahrhundert geschaffene, drei- bis viergeschossige Bauten mit teilweise reich dekorierten Fassaden in Stuckarchitektur den Stadtteil. Die Bebauung des ab 1904 angelegten Erzbergerplatzes vollzog sich zwischen 1906 und 1909, die Häuserzeilen an der südlichen Schmalseite der Grünanlage wurden erst 1914 vollendet. Der heute mit einer Grünanlage gestaltete Platz zeigt ringsum anstehende Bebauung von annähernd gleichen, großzügigen Parzellengrößen. Die Eckparzellen des Platzes weisen eine größere Breitenausstreckung auf, wodurch eine optische Einfassung der geschlossenen Längsseiten erreicht wird. Die langgestreckte westliche Platzfront korrespondiert mit der vis-à-vis gelegenen Platzseite mit ebenso reich gestalteten und zum Teil breitgelagerten Schauseiten, während die Schmalseite des Platzes mit insgesamt zurückhaltend gestalteten Fassaden und späterer Wohnblockbebauung (im Norden) ein Pendant zu den aufwendig dekorierten Längsseiten bilden. Die Häuser 11 und 13 weisen eine völlig identische Fassade auf. Schmuckformen: im Erdgeschoß Quaderimitation, verzierte Erkerkonsolen, Fensterrahmungen in Stuck mit geometrischem und vegetabilem Dekor (unterhalb der Fensterbänke des 1. OG und des Erkers friesartige Verzierungen), Keilsteine, Ziergiebel mit profilierter Rahmung und geometrisierenden Voluten, eingetiefte Ornamentfelder mit Blattdekor. Die beiden Häuser sind als Doppelhausanlage unter Betonung ihres Ensemblecharakters konzipiert und belegen ein Interesse an einem städtebaulichen Gesamtkonzept bei der Gestaltung des Erzberger Platzes.
Das Gebäude Nr. 11 ist für das Erscheinungsbild des Platzes und als Zeugnis für die reiche Nippeser Stadtarchitektur im frühen 20. Jahrhundert ein wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_7928- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Wohnhaus
- Adresse
- Erzbergerplatz 11 , 50733 Köln
- Stadtteil
- Nippes
- Baujahr
- um 1910
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 19.08.1996
- Koordinaten
50.96707° N, 6.95138° E