Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_8192 Agrippinaufer 10 · Neustadt/Süd

Wohnhaus

Typ
Gebäude
Baujahr
1958
Denkmal seit
1997
Stadtteil
Neustadt/Süd
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Erbaut 1958 (Planungsphase ab Mai 1956; Rohbauabnahme 17.8 58); Bestandteil einer Wohnhausgruppe Agrippinaufer/Ecke Maternusstraße; Architekten: Woldemar von Holy & Oswald Franke; Bauherrin: Elisabeth Neuerburg; achtgeschossiges Appartementhaus mit flachgeneigtem Pultdach (durch Attika mit Speicherräumen verblendet); Putzfassaden; Fenster (außer Treppenhaus) erneuert.

Straßenansicht (Osten): glatt verputzte Fassade: links geschlossene Wandfläche, Mitte rechts Fensterachse (quadratische Fenster); Betonung der rechten Außenachse (Treppenhaus) durch schmale, konkav geformte Betonscheibe bis einschließlich zur Höhe der Vollgeschosse (vor die Flucht des Baukörpers gesetzt und seitlich durch Glasbaustein an den Baukörper angeschlossen); Eingang rechts mit originaler, verglaster Metallrahmentür (seitlich links und oberhalb des Sturzes originale Glasbausteine); Eingangsüberdachung durch schmales, mittig einschwingendes Betondach.

Gartenansicht (Süden): 6 Achsen; Fassadenrhythmisierung durch zweiseitig vorkragende Balkone (Balkongeländer/Verkleidungen Anfang der 80er Jahre erneuert) mit Loggien (etagenweise alternierender Wechsel von Balkon und Fenster); Attikageschoß mit Speicherräume leicht hinter die Bauflucht zurückgestuft (paarweise angeordnete, schlitzartige Belichtungsöffnungen axial zu den Fensterachsen); vorkragende Traufkante.

Hofansicht (Westen): glatt verputzte Fassade; links 2 Fensterachsen; (quadratischer Fenster); neue Feuerleiter linker Hand.

Innen original: Treppenhaus: Bodenbelag/Treppenstufen aus Kunststein; Stahltreppengeländer mit Mipolam-Handlauf; Aufzugsanlage; Wohnungseingangstüren; Wohnungen: Grundrisse (je drei Einzimmerappartements pro Etage, im EG eine Hausmeisterwohnung mit 3 Zimmern); Zimmertüren; Wandfliesenbeläge.

Bestandteile des Denkmals sind auch die kleine Grünfläche zwischen dem o.g. Gebäude und der Bebauung an der Maternusstraße mit z.T. altem Baumbestand und die straßenseitige Einfassungsmauer.

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, in dem weite Teile des Kölner Stadtgebietes - in der Altstadt waren es bis zu 90% - zerstört worden waren, geraten als mittlerweile abgeschlossene Bauepoche immer mehr in das Interesse der Allgemeinheit.

In diesen Jahren galt es einerseits die durch die Bombardements entstandenen Baulücken zu schließen, um den steigenden Bedarf an Wohnraum zu decken, und andererseits mußte die Stadtgestalt im Rahmen einer großangelegten Stadtplanung unter Berücksichtigung alter, im Laufe von Jahrhunderten gewachsenen Strukturen weiterentwickelt werden. Der Name Rudolf Schwarz steht in diesem Zusammenhang für die Entwicklung des "Neuen Köln".

Es entstanden eine Reihe von gestalterisch hochrangigen Bauten, die sich jedoch nicht unter einem einheitlichen Stilbegriff zusammenfassen lassen, sondern durch eine Vielzahl von Tendenzen gekennzeichnet sind, wobei die beiden konträren und rivalisierenden Architekturströmungen der 20er Jahre, das "Neue Bauen" (Bauhaus) und die "Traditionelle Moderne" (Stuttgarter Schule), den wesentlichsten Einfluß auf die Kölner Nachkriegsarchitektur ausübten. Die Bauten des Architekten des o.g. Objektes, Woldemar von Holy, belegen in diesem Zusammenhang interessanterweise die Einflüsse beider Richtungen.

Woldemar Von Holy (geb. am 21.9.1901 in St. Petersburg/Rußland) legte im Mai 1956 einen ersten Gesamtentwurf für die Bebauung des Eckgrundstücks Agrippinaufer/Maternusstraße vor, die eine geschlossene, in sich verspringende Eckbebauung durch 5 Gebäude vorsah.

Die Städtebaukonferenz vom 17.5.1956 empfahl dann jedoch, den bestehenden, um 1914 von den Architekten Schweitzer & Koerfer errichteten Baublock Agrippinaufer 2-8 durch Errichtung eines Endhauses abzuschließen. Eine Gestaltung in Form einer Scheibe, u.U. ohne Öffnungen zur Rheinfront wurde in Erwägung gezogen, wohingegen eine Verbindung mit dem gleichzeitig zu errichtenden Baublock an der Maternusstraße als nicht wünschenswert betrachtet wurde. Von Holy änderte daraufhin seine Planung dahingehend ab, daß er den dreigliedrigen Baublock an der Maternusstraße mittels eines eingeschossigen pavillonartigen Verbindungsbaus an das jetzt als Endhaus gestaltete Gebäude am Aggrippinaufer anbindet (Planung vom Februar 1957).

Am 21.3.1957 bestätigte die Städtebaukonferenz erneut, daß bei einer geschlossenen Bebauung der Maternusstraße das Nachbargrundstück am Agrippinaufer durch einen schmalen Kopfbau zu bebauen sei. Die bauliche Trennung beider Baukörper wurde im Wesentlichen mit der Rücksichtnahme auf den "vorhandenen schönen Baumbestand" (W. von Holy) begründet und führt dazu, daß von Holy die entgültige Trennung beider Baublöcke projektierte (Planung vom März 1957).

Von Holy hatte für die Bauherrin des o.g. Objekts, Elisabeth Neuerburg, bereits 1950/51 gemeinsam mit Oswald Franke ein Einfamilienhaus in Marienburg errichtet (Lindenallee 78, 1993 abgebrochen). Während dieses Gebäude - ein breit gelagerter zweigeschossiger Putzbau mit Werksteingliederungen und Walmdach - noch sehr den traditionellen Formen der Stuttgarter Schule verbunden war, weist die Bebauung am Agrippinaufer demgegenüber deutlich progressive Züge auf. Seine spezifische Wirkung entfaltet das o.g. Objekt einerseits durch seine Freistellung als neuerrichteter Kopfbau am Ende einer historischen Gebäudezeile und zum anderen durch den gestalterischen Kontrast zu den werksteinverkleideten Bauten von 1914.

Als integralem Bestandteil der Wiederaufbauplanung Kölns kommt dem o.g. Objekt aufgrund seiner baugestalterischen Ausführung und der stadtplanerischen Positionierung der gesamten Wohnanlage in unmittelbarer Nähe zum Rheinufer, dem Römerpark und der Alten Universität eine wichtige stadtbildprägende Funktion zu, weshalb das Objekt unbedingt zu erhalten ist.

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8192
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Wohnhaus
Adresse
Agrippinaufer 10 , 50678 Köln
Stadtteil
Neustadt/Süd
Baujahr
1958
Architekt
Woldemar von Holy, Oswald Franke
Eigentum
privates Eigentum
Denkmal seit
16.10.1997
Koordinaten
50.92113° N, 6.96741° E