Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026

Ulrepforte

Länge
20 m
Hausnummern
50677: ungerade 1–1
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Stadtteil
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Die Ulrepforte liegt zwischen Ulrichgasse, Kartäuserwall, Vorgebirgstr. und Sachsenring.

Sie wurde im frühen 13. Jahrhundert als Teil der mittelalterlichen Stadtmauer von Köln errichtet. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf 1245. Die Ulrepforte ist mit starken baulichen Veränderungen erhalten. Sie war mit vier Metern Weite das kleinste der landseitigen Stadttore. Da sich feldseitig keine Landstraße anschloss, wird das Tor vermutlich keine Bedeutung für den Verkehr gehabt haben.

Der Name geht auf die hier im Mittelalter tätigen „Ulner“ (auch Üler, Euler = Töpfer) zurück, die ihr Handwerk wegen der Brandgefahr in unbewohnteren Stadtteilen ausüben mussten. Dieser Bereich war bis Anfang des 19. Jahrhunderts gärtnerisch oder bäuerlich genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg pachteten die "Kölsche Funke rut-wieß vun 1823 e.V." die Ulrepforte. Seit dieser Zeit wird sie von den Roten Funken und mit Hilfe des "Verein der Freunde und Förderer der Ühlepooz 'Fritz Everhan-Stiftung' e.V." restauriert und instand gehalten.

Herausragendes historisches Ereignis ist die Schlacht an der Ulrepforte in der Nacht auf den 15. Oktober 1268. Unter der Führung Herzog Adolfs V. von Limburg und dem Grafen Dietrich VII. von Kleve drangen 5000 Mann durch einen unter der Mauer führenden Tunnel in die Stadt ein. Sie kamen dem Kölner Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg zu Hilfe, der mit den Kölner Bürgern in Fehde lag. Der Plan wurde denunziert, und die alarmierten Kölner Bürger setzten sich unter Führung von Matthias Overstolz heftig und schließlich erfolgreich zur Wehr. Diese Überwindung der Kölner Stadtmauer sollte einmalig bleiben.

Ein Denkmalrelief aus dem Jahre 1360 erinnert an dieses Ereignis. Es ist Kölns, möglicherweise sogar Deutschlands ältestes Denkmal zur Erinnerung an ein historisches Ereignis. Das Original befindet sich seit 1983 im kölnischen Stadtmuseum, eine Kopie ist feldseitig neben dem nördlichen Turm angebracht.


Hört man den Namen Ulrepforte, kann es zu Missverständnissen kommen. Kann es sein, dass der Name etwas mit dem Vornamen "Ulrich" zu tun hat, zumal der Name der daran vorbeiführenden Straße Ulrichgasse dies nahelegt? Oder hat der Name etwas mit Eulen zutun, wie man aus der kölschen Bezeichnung "Ühlepooz" schließen könnte? Beides führt in die Irre. Unter "Uhl" oder "Ohl" verstand man Ton oder Lehm als Arbeitsmaterial der Töpfer. Folglich wurden diese im Mittelalter auch "Uler" oder "Euler" genannt. Und wenn man sich frühmittelalterliche Straßennamen anschaut, so wird die Gegend als "platea figulorum" bezeichnet, Platz oder Viertel der Töpfer. Durch die Vertauschung von "r" und "e" wurde im Laufe der Zeit aus "Uler" der Name "Ulrer".


Die Gegend um die Ulrepforte bot also im Mittelalter Platz für Töpferwerkstätten. Diese siedelten sich, wenn überhaupt in den Städten geduldet, an Plätzen außerhalb der dichten Bebauung an. Ihre Öfen waren eine ständige Brandgefahr und die giftigen Dämpfe von Blei und Schwermetallen aus den Glasuren waren eine frühe Form der Umweltverschmutzung. Irgendwann im 17. Jhdt. hat dann auch die Stadt die Töpfer insgesamt aus der Stadt verbannt, worauf diese sich meist in der Frechener Gegend ansiedelten. Sieht man sich alte Karten der Stadt an, so erkennt man, dass die Gegend um die Ulrepforte tatsächlich wenig bzw. garnicht besiedelt war.


Die Ulrepforte war ursprünglich eine der zwölf großen Torburgen. Sie wurde jedoch wegen Mangel an Verkehr schon im Mittelalter zugemauert und teilweise abgerissen. Zwischen der Ausfallstraße nach Süden, heute Bonner Str. und der Straße Richtung Trier, heute Luxemburger Str. gab es keine Straße aus der Stadt, die ein solch großes Tor gerechtfertigt hätte. Auf dem übriggebliebenen Turmrest errichtete man eine Windmühle, die Karthäuserwindmühle.


Die Ulrepforte blieb beim Abriss der Stadtmauer ab 1881 verschont. Genauso wie der nahegegelegene Mauerrest mit den zwei Halbtürmen zwischen Kartäuserwall und Sachsenring. Beide Bauwerke waren eine Art romantische Kulisse für die im Bereich des Sachsenrings als Landschaftsgarten vorgesehene Grünanlage. In der Ulrepforte hat nach dem Krieg das älteste Karnevalskorps, die "Funke rut-wieß" , die "Roten Funken" ihr Domizil gefunden. Einer ihrer Präsidenten erhielt auch folgerichtig den korpseigenen Beinamen "Stäzje vun d´Ühlepooz"


In den nahe gelegenen Halbtürmen der Stadtmauer haben zwei weitere sog. Traditionskorps ihre "Hauptquartiere", die "Blauen Funken" und die "Prinzengarde".


In der Nähe der Ulrepforte fand 1268 ein Ereignis statt, das als "Schlacht an der Ulrepforte" in die Geschichte der Stadt eingegangen ist. Durch einen Tunnel unter der Mauer drangen Truppen in die Stadt ein, die auf der Seite des Erzbischofs standen. Ihre Gegner waren die städtischen Patrizier, die zusammen mit den aufstrebenden Handwerkern die Unabhängigkeit vom Erzbischof anstrebten. In einer blutigen Auseinandersetzung mit Toten und Verwundeten wurden die Eindringlinge schließlich wieder aus der Stadt vertrieben. Im 14. Jhdt. ließ die Stadt ein Relief anfertigen, dass an dieses Ereignis erinnert. (Heute im Stadtmuseum)

Eines der wenigen erhaltenen mittelalterlichen Stadttore Kölns, gelegen am Sachsenring — neben Hahnentor (Rudolfplatz) und Severinstor (Chlodwigplatz) eines von drei mittelalterlichen Toren, die noch im Stadtbild stehen. Die Ulrepforte wurde um 1230 als Doppelturmtor in der mittelalterlichen Stadtmauer errichtet (12. Jh., Vergrößerung Kölns 1180); mit nur 4 m Breite war sie das schmalste landseitige Stadttor. Der Name leitet sich von den Ulnern (mittelhochdeutsch für Töpfer) ab, deren Werkstätten direkt vor dem Tor lagen. Um 1450 wurde die Ulrepforte vermauert und mit einer 23,5 m hohen Kartäuser-Windmühle über dem Nordturm versehen — die einzige Stadtmauer-Windmühle Kölns. Heute beherbergt die Ulrepforte die Roten Funken, eine der ältesten Kölner Karnevalsgesellschaften (gegründet 1823) — die in ihren historischen Uniformen die Tradition der mittelalterlichen Stadtsoldaten karnevalesk weiterführen.

Quellen: