Doppelvilla
Erbaut 1924-26; Architekt: Johannes Schüller; breit gelagerte zweigeschossige, am rheinischen Expressionismus orienitierte Backsteinvilla (zwei Wohneinheiten) auf niedrigem Bruchsteinsockel mit Walmdach (verschiefert, mit zwei Zwerchhäusern) über symmetrisch angelegtem Grundriß.
Straßenansicht: Betonung der beiden mittleren Achsen durch altanartige Vorbauten mit Balkonen (werksteingerahmte Fenstertüren mit Ornament im EG; originale Metallgeländer im OG) und Zwerchhäuser (bei Nr. 1120 abweichend vom ursprünglichen Entwurf, evt. später verändert); Eckbetonungen durch figürliche Baukeramik (vermutlich Köln-Frechener Keramik der Firma Kalscheuer), die die Eckfenster pfeilerartig unterteilen (originale Fenstervergitterungen); Wandflächenschmuck in Form abstrahierter, flächig in den Ziegelverband eingepaßter Ziegelornamentik; Horizontalgliederung durch schmales, umlaufendes Geschoßgesims und profiliertes, hölzernes Traufgesims (ebenfalls umlaufend).
Seitenansichten: stumpfwinklig vorspringende Treppenhaustrakte als vertikale Dominante (oberhalb der Traufe zwerchhausartig ausgebildet, mit 2 Fenstern und mehrfach abgestuftem Gesims); originale Vergitterungen der Treppenhausfenster (rhombenförmig); Eingangstür mit ornamentierter Werksteinrahmung (bei Nr. 1120 rechts neben dem Treppenhaus) vermutlich original; im OG rechts gekoppeltes Fenster; Ziegelornamentik wie straßenseitig.
Rückansicht: 4 Achsen; äußere Achsen risalitartig vorgestuft (separate, abgewalmte Verdachungen); Risalite (mit schmalen Fenstertüren) fluchten mit dem EG (ursprünglich Wintergärten mit breiten Fenstertüren zum Garten); im OG Terrassen mit originalen Metallgeländern; Fenstertüren mit ornamentierten Werksteinrahmungen; zwei Dachhäuschen; Ziegelornamentik wie straßenseitig.
Garagen: Die seitlich an das Gebäude anschließenden Garagen sind 1122 integrale Bestandteile des Denkmals, da sie trotz Veränderungen (bei Nr. 1120 Tor erneuert) stilistisch eine bauliche Einheit mit dem Wohnhaus bilden, die symmetrische Gesamtanlage in den Gartenbereich hin erweitern und diese seitlich einfassen.
Bestandteil des Denkmals ist auch der Vorgarten mit Natursteineinfriedung (Sockelmauer mit originalem Metallgeländer, Mittel- und Seitenpfeilern, Tor erneuert) und der rückwärtige Garten.
Veränderungen: Schlagläden entfernt, Fenster/Fenstertüren erneuert.
Weiden, ursprünglich zur Gemeinde Lövenich gehörig, wurde erst 1975 nach Köln eingemeindet. Der mittelalterliche Siedlungskern der Ortschaft, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ein reines Straßendorf war, lag an der Aachener Straße. Die eigentliche Expansion des Ortes begann mit der Bebauung der Bahnstraße, was für das bekannte Kölner Architekturbüro Schreiterer und Below der Anlaß war, im Jahre 1906 am Rande des alten Dorfes Weiden anschließend an die Bahnstraße auf bisher unbebautem Land mit der Errichtung einer Villenkolonie zu beginnen. Weiden gewann dadurch den Ruf eines Vorortes für gehobene Wohnansprüche vor den Toren Kölns. Die vorbildhafte, anspruchsvolle Landhausarchitektur mit Gärten und Vorgärten, die gesunde Landluft und die günstigen Verkehrsanbindungen an die Stadt Köln (Bahnhof, Straßenbahnlinie entlang der Aachener Straße, die Aachener Straße selbst) waren die Gründe für die Attraktivität dieser Wohnlage für wohlhabende Kölner Bürger.
Die Folge davon wiederum war ein steigendes Interesse Kölner Bauherren am Baugrund entlang der Aachener Straße in Richtung Köln zwischen dem Kloster "Zum guten Hirten" (auf der Höhe von Junkersdorf) und dem Ortsanfang von Weiden. Kurz vor dem 1. Weltkrieg erwarben hier zunächst vorwiegend Architekten (u.a. Robert Perthel, Ferdinand Pasman, Heinrich Behr) größere Flächen Ackerland. Sie traten als Bauherren und zugleich auch als Bauunternehmer (Heinrich Behr) oder in Gemeinschaft mit einem Bauunternehmer (Behr-Völlmar) auf, oder errichteten sich ihr eigenes Landhaus (Schierenberg).
1923 beauftragten die Fabrikantenbrüder Eduard und Willy Mees Johannes Schüller mit dem Bau der Dppelvilla Aachener Straße 1120/1122. Die aufkommende Inflation beendete die kurze Blütezeit dieser anspruchvollsten aller in Weiden entstandenen Wohnhäuser. Auch die Gebrüder Mees waren von der wirtschaftlichen Entwicklung betroffen, weshalb der Bau der Doppelvilla im Mai 1924 in der Rohbauphase wegen Geldmangels bis zum Frühjahr 1925 eingestellt werden mußte. Bis zur Fertigstellung 1926 "wurde die Ausstattung bis auf die einfachste, absolut notwendigste Art beschränkt und nur zu dem Zweck, lediglich Wohnungen zu schaffen".
Wenngleich bei der Innenausstattung also Abstriche gegenüber der ursprünglich geplante Ausführung gemacht wurden, läßt sich für den gesamten Außenbau jedoch festhalten, daß es sich bei dem o.g. Objekt um ein herausragendes Beispiel einer vom Expressionismus beeinflußten Villenarchitektur handelt.
Charakteristische Merkmale dieses repräsentativ angelegten, an der tradierten Landhausarchitektur orientierten Hauses sind dessen breite Lagerung, durch das Walmdach zusätzlich betont, die rückwärtigen Gartenrisalite und die Wintergärten, bzw. Balkone mit Fenstertüren, die den Baukörper zum Grünbereich, der zum Typus des Hauses gehört, hin öffnen. Beispiele für vergleichbare Bauten finden sich u.a. in Marienburg. Als ausgesprochen zeittypische Merkmale kommen folgende Charakteristika hinzu: die zweiseitig vorspringenden Treppenhäuser als Ausdruck einer expressiven Dynamik, markantes Ziegelornament in Form abstrahierter, flächig in den Verband eingepaßte Formen zeigen den Einfluß des geometrische Expressionismus und die zumindest von der Köln-Frechener Baukeramik beeinflußten Rahmungen der Fenstertüren (EG Straßenansicht, OG Rückansicht) und die figurative Betonung der straßenseitigen Gebäudekanten.
Zur Baukeramik ist anzumerken, daß die Wiederbelebung der Verwendung von Ton auf einige Kölner Bildhauer zurückgeht, die in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts den Rohstoff aus den Frechener Tongruben für sich entdeckten und die jahrhundertelang für ihre Gebrauchsgüter in Nordeuropa bekannte Frechener Keramik neu belebten. Die Bildhauer Jos. Pabst und Wilh. Meller waren die ersten, die das Gebiet der Kleinplastik verließen, um größere Werkstücke zu modellieren und zu brennen. Eine typische Aufgabe wurde die Portalumrahmung, wie sie auch bei dem o.g. Objekt in leicht modifizierter Form als Rahmung der Fenstertüren vorkommt. Die scharfgratige florale und figurative Bauplastik unterstreicht den repräsentativen Charakter des Gebäudes und verleiht der Fassade eine zusätzliche Dynamik.
Bis auf die 1968 abgebrochene Villa Aachener Straße 1112 sind eine Vielzahl von Villen aus den ersten drei Jahrzehnten unseres Jahrhunderts erhalten. Vielfache Umbauten und Fassadenveränderungen, so bei allen Villen am Vogelsanger Weg, und das dichte Auffüllen der Baulücken erschweren die Wahrnehmung des ursprünglich repräsentativen Charakters der eigentlich freistehend geplanten, z.T. weithin sichtbaren Bauten zwar, lassen sich jedoch weiterhin ablesen. Als eines der wenigen in seiner Substanz weitgehend erhaltenen und kaum veränderten Gebäude ist das o.g. Objekt ein wichtiges Beispiel für die am rheinischen Expressionismus orientierte Landhausarchitektur, das als integraler Bestandteil einer großangelegten Planung unbedingt zu erhalten ist.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_7817- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Doppelvilla
- Adresse
- Aachener Straße 1120 , 50858 Köln
- Stadtteil
- Weiden
- Baujahr
- 1924 bis 1926
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 21.03.1996
- Koordinaten
50.93849° N, 6.84538° E