Straßen·Lexikon Köln · Est. 2026
№ DE_05315000_A_7405 Aachener Straße 308 · Braunsfeld

Wohnhaus

Typ
Gebäude
Baujahr
1958
Denkmal seit
1995
Stadtteil
Braunsfeld
Fotografien
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Erbaut 1958; Architekt: Oswald Mathias Ungers (mit Ch. Türke und H. Schultheiss); 5 Geschosse; Flachdach; Backsteinfassade; Vertikalgliederung durch zweifache Fassadenrückstufung oberhalb des EG, das so wie ein Sockelgeschoß wirkt; in die zurückgestuften Bereiche der Fassade sind im 2. und 3. OG leicht vorragende Balkone eingefügt; Horizontalgliederung durch Fensterbänder; 4. OG zurückgestuft; mittiger Eingang; rechter Hand breite Toreinfahrt; Fenster u. Tür bei originaler Aufteilung erneuert; Rückfront: mittige Fensterachse des Treppenhauses ist gegenüber der in einer Flucht liegenden Front zurückgestuft. Seitlich der Treppenhausachse je eine Fensterachse u. eine Achse gebildet aus loggiaartigen Wandöffnungen; der rückwärtigen Front ist im gesamten EG-Bereich über der Toreinfahrt eine etwa hüfthohe backsteinsichtige Mauer vorgestellt, hinter der im rechten EG-Bereich eine flache Rampe ins rechte Hochparterre führt. Dort 2. Eingang unter breitem Doppel-T-Träger; Fenster bei originaler Aufteilung erneuert; gesamte Rückfront zu Beginn der 90er Jahre mit Wärmedämmung, Putz und hellem Anstrich versehen; Innen original: backsteinsichtiges Treppenhaus, Bodenbelag u. Treppenanlage mit Schwarzem Terrazzo (im Vorflur, EG u. Treppenbereich bis ersten Treppenabsatz nachträgliche, nicht originale Marmorverkleidung des Bodens); eisernes Treppengeländer mit hölzernem Handlauf; Zweispänner; Wohnungseingänge windfangartig eingezogen, Sichtbetonplatte als oberer Abschluß; Eingangs- und Wohnungstüren; Grundrisse; Wohnung im 4. OG links durch unterschiedlichste Boden- u. Wandverkleidungen (nicht Bestandteil des Denkmals) optisch stark verändert.

Das o.g. Objekt ist ein Baudenkmal im Sinne von § 2 Abs. 1 und 2 des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NW). Das für die Qualifizierung als Baudenkmal notwendige öffentliche Interesse ist gegeben, da dieses Denkmal sowohl bedeutend für die Geschichte des Menschen und für Städte und Siedlungen ist als auch künstlerische, wissenschaftliche und städtebauliche Gründe für seine Erhaltung und Nutzung vorliegen. Das ergibt sich aus Folgendem:

Die 50er Jahre, die erste Wiederaufbauphase nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges, geraten als inzwischen abgeschlossene Bauepoche immer mehr in den allgemeinen Blick. Aus dieser Zeit verfügt Köln über eine Anzahl Bauten von hoher baukünstlerischer Qualität, von den Architekten im Sinne eines "Gesamtkunstwerkes" durchgestaltet. Ohne einheitlichen Stil repräsentieren sie eine Vielzahl von Tendenzen im Bauschaffen.

Das o. g. Objekt ist ein früher Bau des Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers, dem es hier gelungen ist, seine theoretischen Ansätze in eine schlüssige, markante bauliche Form zu bringen. Viele namhafte Vertreter der deutschen Nachkriegsarchitektur versuchten zunächst in Anknüpfung an die Moderne der 20er und früher 30er Jahre die überstrapazierte Heimatstilarchitektur des Dritten Reiches zu überwinden, was sich an einer ganzen Reihe von Bauten der späten 40er und der 50er Jahre belegen läßt. Dieser Fortführung der Tradition des sog. "Neuen Bauens" steht Ungers jedoch sehr kritisch gegenüber, wie das o.g. Objekt belegt. Während die Architektur des "Neuen Bauens" den stereometrisch aufgefaßten Block als Idealfall begreift, um in diesem Rahmen das Volumen zu organisieren, geht Ungers beim o.g. Objekt anders herum vor und fügt den Baukörper aus Elementen zusammen, wodurch eine völlig andersgeartete haptische Qualität erzeugt wird, die dann auch konsequent in der Materialsichtigkeit des unverputzten Ziegels und des rauh belassenen Sichtbetons zum Ausdruck kommt. Diese Materialauffassung ist unter dem Begriff "Brutalismus" in den 50er Jahren infolge der von Le Corbusier in Marseille errichteten Unite d`Habitation in die Architekturgeschichte eingegangen. Ungers konstrastiert mit seiner Materialität, die durch kräftige Wandeinschnitte, vor allem die um die Ecke geführten Fensteröffnungen, die die Substantialität des Gebäudeblocks hervorheben, die schwebende Leichtigkeit der membranartig dünn erscheinenden Wände der Bauhausarchitektur. Ungers steht mit seiner Architekturauffassung in unmittelbarer Nähe des finnischen Architekten Alvar Aalto, dessen 1952 errichtetes Rathaus von Säy- nätsalo in Finnland Ungers als wesentliche Anregung diente, dahingehend, seinen neuen Begriff von Dreidimensionalität zu festigen, der, wie am o.g. Objekt deutlich zu erkennen, dadurch charakterisiert ist, daß das Haus einen eigenen Außenraum bildet. Ungers versteht es dabei trotz der durch die Lückensituation bedingten strikten Vorgaben eine räumliche Dimension zu entwickeln, die in partieller Zurückstufung der Fassadenfläche zu einer Bewegung zwischen dem Baumassen- positiv und dem räumlichen Negativ führt. Dabei macht die Gestaltung des Außenraumes identifizierbare Einheiten im Inneren erkenntlich, was auf die Verzahnung von Innen- und Außengestaltung, in der Grundrißdisposition erkenntlich an der Wohnraumgruppierung um die frontseitige Loggia, bzw. Balkon, hinweist. Neben der qualitätvollen Gesamtplanung und der gelungenen städtebaulichen Einpassung muß das o.g. Objekt als manifester Bestandteil einer theoretisch fundierten Architekturtheorie begriffen werden, mit der Ungers das Bauen der Nachkriegszeit bis zur Gegenwart und das Nachdenken über Architektur und deren Standortbestimmung angeregt und beeinflußt hat.

Das o.g. Objekt dokumentiert gemeinsam mit der benachbarten Bebauung die hohe Qualität der städtebaulichen Entwicklung der Aachener Str. als Hauptverkehrsader Braunfelds nach den Zerstörungen des 2. Weltkrieges. Die individuell und anspruchsvoll gestalteten Gebäude der nördlichen Straßenseite zwischen Melatengürtel und Maarweg bilden eine das Straßenbild prägende Einheit, die auf einem gemeinsamen Fluchtlinienverlauf, einer einheitlichen Geschoßaufteilung der durchgehenden Zurückstufung des 4. OG beruht.

Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln

Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_7405
Typ
Gebäude-Denkmal
Bezeichnung
Wohnhaus
Adresse
Aachener Straße 308 , 50933 Köln
Stadtteil
Braunsfeld
Baujahr
1958
Eigentum
privates Eigentum
Denkmal seit
06.03.1995
Koordinaten
50.93749° N, 6.90542° E