Büro- und Geschäftshaus
Erbaut 1964/65, Architekt: Peter Prevoo; auf rechteckiger Grundfläche (ehemals zwei Parzellen) zwischen Alter Markt und Brigittengäßchen.
Fassade: 5 Geschosse, 5 und 1 Achsen; vertikale, der früheren Parzellenstruktur entsprechende Zweiteilung der Fassaden. Stahlbetonbau; im Erdgeschoß einheitliche Verblendung durch Natursteinklinker; Obergeschosse links: glatte Putzfassade; Obergeschosse rechts: leicht vorkragender Obergeschoßbereich von Geschoßgesims getragen und seitlichen Lisenen flankiert, glatter Fassadenputz; ausgebautes Dachgeschoß, Spitzboden; zu Alter Markt und Brigittengäßchen der differenzierten Fassadengliederung entsprechend dimensionierte spitze Walmdächer hinter Flabes (geschiefertes, sog. Kölner Dach; links mit Gaupenöffnung).
Erdgeschoßladenlokal: breite und tiefe Eingangsnische in der Mitte (nachträglich in Einheit mit einer Werbeanlage abgehängte Decke); flankierende große und ungeteilte Schaufenster in Stahlrahmen (der Bereich oberhalb der Schaufenster ehemals durch horizontale Metallsprossen gegliedert; heute durch Werbeanlage verdeckt); Ladeneingang als zweiteilige Tür in Metall, verglast, Oberlicht.
Obergeschosse links: fassadenbündig eingefügte, annähernd quadratische Schwingflügelfenster in Holz mit Unterlicht; Fenster mit geradem oberen Abschluß; Obergeschosse rechts: fassadenbündig eingefügte Fensterbänder in Holz; jeweils 3 Schwingflügel; alle platzseitigen Fenster original.
Rückseite: (Brigittengäßchen): 5 Geschosse, 5 und 2 Achsen; vertikale, der früheren Parzellenstruktur entsprechende Zweiteilung der Fassaden. Im Erdgeschoß einheitliche Verblendung durch Natursteinklinker; Obergeschosse links: glatte Putzfassade, je Geschoß Gliederung durch einheitliche, die Fenster und Brüstungsbereiche zusammenfassende Rahmenfelder; Obergeschosse rechts: vorkragende Obergeschoßzone, glatter Fassadenputz.
Erdgeschoß: rechts Ladeneingangstür von ungeteilten großflächigen Schaufenstern in Stahlrahmen flankiert; links; Treppenhausachse mit Eingangstür in Metall, verglast (erneuert); Seitenlicht (erneuert); dekoratives Gitter in geschmiedetem Stahl; flankierend großflächige, ungeteilte Schaufenster in Metall. Obergeschosse links: fassadenbündig eingefügte, querrechteckige Schwingflügelfenster in Holz, feststehende Seitenlichte; Fenster mit geradem oberen Abschluß; Obergeschosse rechts: fassadenbündig eingefügte annähernd quadratische Schwingflügelfenster mit Unterlicht; alle rückwärtigen Fenster original.
Im Inneren: Treppenhaus: Stahlbetontreppe mit Kunststeinbelag, Geländer aus Stahlrohrprofilen, im Wechsel dekorativ versetzt; Handlauf in Mipolam, Erdgeschoß sowie Podeste und Treppenpodeste mit Kunststeinplatten belegt; Wände in Rauhputz; z. T. originale Geschoßeingangstüren in Metall, verglast (im 2., 3. und 4. Obergeschoß erneuert); z. T. Stahltüren; Personenaufzug; innere Fensterbänke im Treppenhaus als Natursteinplatten; im Dachgeschoß Deckenrundfenster.
In den Geschossen: innere Fensterbänke in Naturstein original. Keine weitere Originalsubstanz im Inneren.
Das Martinsviertel, auch als "Rheinviertel" bezeichnet, entwickelte sich seit dem 11./12. Jahrhundert zu einem bedeutenden mittelalterlichen Handelsviertel im Bereich um die romanische Kirche Groß St. Martin. Die unmittelbare Nähe der hier errichteten Gebäude zum ehemaligen Hafengelände prägte das Erscheinungsbild der hohen Kaufmanns- und Stapelhäuser auf schmalen Parzellen an engen Gassen und Marktflächen. Bis zu seiner Verlegung auf die Rheinauhalbinsel im Jahre 1898 wurde der gesamte Hafenbetrieb hier vor dem zentralen Altstadtbereich abgewickelt. Das altstädtische Gebiet mit den Bereichen um den Alter Markt und Heumarkt mit dem anliegenden Martinsviertel und dortigen Überresten des mittelalterlichen Handelsviertels wurde nach dem Krieg überwiegend nach einheitlichen Gesichtpunkten und unter Wahrung der wenigen erhaltenen Bausubstanz als historischer Altstadtbereich wiederaufgebaut bzw. neu erbaut. Während der Aufbauphase seit den 1950er Jahren stellte sich im Martinsviertel die Aufgabe, die Stadtsilhouette durch Maßstäblichkeit, Anlehnung an überlieferte Baugruppen, Baumassen und Rhythmus zu bewahren. Die Parzellenstruktur wurde weitgehend übernommen, ebenso konnten die Spitzdächer mit gleicher Traufhöhe ("Kölner Dach"), die von der Städtebaukonferenz für Neubauten gefordert wurden, realisiert werden. Den Alter Markt - das Zentrum des Martinsviertels charakterisieren spitze schiefergedeckte Sattel- oder Walmdächer im Gegensatz zur Betonung der Horizontalen durch gleichförmige Reihung der Fenster (fünfgeschossig bei z. T. unterschiedlicher Geschoßanordnung, eine bis fünf Achsen), die durch mehrteilige Zusammenfassung als Bänder in den Obergeschossen die Putz- und Backsteinfassaden auflockern. Das traditionelle Prinzip der Verjüngung im obersten Geschoß wird nur noch z. T. durch das rechteckig überlängte einzelne Fenster mit flankierenden geschlossenen Wandflächen realisiert. Die Dachsilhouette und die Fassadengestaltung mit Flabes sind prägend für die Gesamtansicht am Alter Markt, sie tragen zur Vereinheitlichung des historischen Platzes bei. Der Alter Markt erscheint nach der Wiederaufbauphase als einheitlich gestalteter, nach Süden hin offener Platz. Das an der Ostseite des Platzes gelegene Gebäude Alter Markt 28 - 32 (entstanden aus den Parzellen 28 und 30/32) zeigt eine zurückhaltend gestaltete, das Erscheinungsbild des historischen Platzes wahrende Schauseite mit asymmetrisch-zweiteiliger Fassadengliederung, die die Vorgaben nach Kleinteiligkeit der Parzellenstruktur, ausgedrückt in schmalen hochaufragenden Fassaden mit jeweils eigenem Dachabschluß optisch wahrt, ebenso allerdings das zeitgemäße Bedürfnis nach einem großräumigen Ladenlokal befriedigt.
Die Rückseite des Gebäudes am Brigittengäßchen greift die Zweiteilung der Platzfassade auf, variiert die Gliederung der platzseitigen Schauseite, indem hier der breitere, fünfachsige Fassadenbereich in den Obergeschossen kräftig vorkragt. Der horizontale Gliederungsrhythmus der schmucklosen Putzfassaden korrespondiert mit den beidseitig anschließenden Gebäuden, deren Erscheinungsbild allenfalls in Fassadenbreite und -farbigkeit variiert.
Die Platzbebauung weist in der Mehrzahl Gebäude mit gewerblicher Nutzung in den - dementsprechend weitgehend verglasten - Erdgeschossen auf (z. B. die Nachbarhäuser 34, 36 und 44 - 56 und gegenüberliegende Nrn. 35/37 und 39 - 45). Der den Gebäuden vorgelagerte Bereich am Alter Markt sowie der Platzbereich zum Brigittengäßchen zeigen sich als baumbestandene Fußgängerpromenade. Städtebaulich bildet das Gebäude einen integralen Bestandteil der wiederhergestellten östlichen Seite des Alter Marktes und trägt auf diese Weise zur Veranschaulichung einer der ältesten Platzanlagen Kölns bei.
Das Gebäude Alter Markt 28 - 32, das sich bewußt an der Maßstäblichkeit und dem Erscheinungsbild der Vorkriegsbebauung (Altstadtsanierung der NS-Zeit) orientiert, ist aufgrund der Wahrung der historischen Maßstäblichkeit des Kölner Altstadtcharakters mit Verwendung von Versatzstücken der für die Kölner Baugeschichte charakteristischen Details und trotz der äußerst zurückhaltenden architektonischen Gestaltung, als Zeugnis für den Wiederaufbau des historischen Stadtbereichs unbedingt erhaltenswert.
Detail-Daten · Denkmalliste der Stadt Köln
- Baudenkmalnr.
DE_05315000_A_8380- Typ
- Gebäude-Denkmal
- Bezeichnung
- Büro- und Geschäftshaus
- Adresse
- Alter Markt 28-32 , 50667 Köln
- Stadtteil
- Altstadt/Nord
- Baujahr
- 1964 bis 1965
- Architekt
- Peter Prevoo
- Eigentum
- privates Eigentum
- Denkmal seit
- 18.05.1999
- Koordinaten
50.93829° N, 6.96054° E